Tuesday, May 06, 2008

Anton deBrum schenkte mir diese "Lures"



Wie bekomme ich solche Riesenfische nur an Bord?
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Liping on WINDSWEPT - SUKA behind

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Saturday, March 22, 2008

Captain's Dinner auf einem Kriegsschiff aus Taiwan

                                                        Donnerstag, der 20. März 2008
Breite: 07°06.18'N Länge: 171°22.44'E
 
Dienstag abend haben mich rote Feuerameisen (Solenopsis invicta - die Unbesiegte?) unter dem Tisch draußen beim Shoreline erwischt. Sie taten ihrem Namen alle Ehre und selbst heute habe ich noch dicke Boppel, wo mich die Mistviecher erwischt haben.  Wie ich in meinem Lexikon lese, kommen diese Viecher ursprünglich vom amerikanischen Kontinent & haben sich inzwischen weltweit in den warmen Gegenden verbreitet.  Sie zerstören andere Ameisenarten, richten sehr viel Schaden an & können bei einigen Leuten sogar lebensgefährliche allergische Reaktionen hervorrufen.  Auch die unterirdischen Termiten aus Taiwan haben sich hier breit gemacht und fressen hölzerne Strukturen, daß man es kaum glauben kann.  Boote, welche an Land stehen sind ganz besonders gefährdet.
 
Lavac-USA wird mir umsonst die fehlenden Dichtungen für unsere Bordtoiletten schicken.  Die falschen darf ich behalten, was gut ist, denn sie passen auf eine andere Toilette, die wir allerdings zur Zeit nicht nutzen.  Gestern abend kamen Walter und Gisela von der ATLANTIS vorbei, um mein selbst gebrautes Bier zu testen.  Nachdem wir davon drei Liter vernichtet haben, kann man wohl annehmen, daß es die Qualitätskontrolle bestanden hat.  ;-)
 
Heute morgen haben wir erst überlegt mit den Dinghy loszufahren, um uns die drei Kriegsschiffe aus Taiwan anzugucken, denn Benzin ist wahrscheinlich billiger als die $3 für das Taxi.  Schließlich war uns das aber doch zu ruppig und wir sind über Land hin.  Walter und Gisela waren mit von der Partie.  Erst haben wir uns das große Versorgungsschiff angeguckt, auf dem heute abend auch das Captain's Dinner stattfinden wird - und zwar draußen auf dem Hubschrauber-Landeplatz.  Weiter ging es zu einer Fregatte der Chenggong-Klasse (beide in Amiland hergestellt) und zu guter letzt zu einem Lafayette-Zerstörer (Made in France).
 
Um letztere hatte es in Taiwan eine große Bestechungsaffäre gegeben - und natürlich war China auch sauer, daß die Franzosen die Dinger überhaupt an Taiwan verkauft haben.  Alles war sehr interessant, vor allem das Phalanx-Anti-Raketen-System und das ähnliche auf dem Lafayette-Zerstörer.  Läuft alles vollautomatisch über Zielradar und ballert mit bis zu 4500 Schuß pro Minute auf einkommende Raketen.  Die Raketen selber waren auch nicht von schlechten Eltern, sowohl die Boden-Luft-Raketen, als auch die ganz dicken, mit denen feindliche Kriegsschiffe aufs Korn genommen werden.  Selbst die großen Raketen können mit bis zu sechs Stück pro Minute auf ihre Reise geschickt werden.  Sehen fast wie Cruise Missiles aus und sind ihnen im Prinzip bestimmt nicht unähnlich.
 
Die Schiffe rauschen mit 25 Knoten durch die See (ein modernes atomgetriebenes U-Boot schafft dauerhaft locker über 50 Knoten), wobei die Lafayette-Zerstörer insofern interessant waren, als sie vier Motoren haben, die zwei verstellbare Schrauben antreiben und auch auf ein Bugstrahlruder verzichten können.  So ist es möglich an zwei Maschinen Wartung durchzuführen, während die übrigen beiden ganz normal weiter laufen.  Bei Vollgas laufen dann alle vier gleichzeitig.  Außerdem kann bei den Lafayette-Zerstörern der Kampfhubschrauber auf Schienen (und natürlich auch wieder vollautomatisch) hereingeholt und damit in Sicherheit gebracht und anscheinend auch in eine andere Ausgangsposition gedreht werden.  Als Walter fragte, was denn nun passieren würde, wenn es tatsächlich zu einem Seegefecht kommen würde, antwortete der junge Offizier:  "Wer zuerst schießt, hat die besten Chancen."
 
Aurora fand zwar alles sehr interessant, war aber noch immer angeschlagen von ihrer schweren Erkältung und litt außerdem unter der heißen Tropensonne.  Selbst das Geschenk einer Naruwan-Tragetasche und zweier kleiner magnetischer Matrosen hellte ihre Laune nicht merklich auf.  In letzter Zeit ist es wieder recht schwierig mit ihr, außer wenn sie Calvert-Schule machen darf.  Ich seh' schon: Sie schlägt da ganz nach Liping, was ich von Herzen begrüße.  :-)  Als sie gestern gerade zwei volle Lektionen hinter sich gebracht hatte, meinte sie zu Liping:  "Und wann darf ich die nächste Lektion lernen?"
 
Karfreitag 2008
 
Und außerdem Frühlings-Tag-und-Nachtgleiche und somit Frühlingsanfang.  Gestern abend rief auf einmal Patrick Wang (früher im Bundestag von Taiwan) an, da er uns abholen wollte.  Walter und Gisela hatten zu einem Drink an Bord von ATLANTIS eingeladen, so daß wir gemeinsam von dort aufgebrochen sind.  Zu meinem Erstaunen fand sich bei den Taiwanesen kein einziger anderer Yachtie ein, sondern außer Chinesen nur lokale Würdenträger und deren Anhang.  Dazu gehören unter anderem anscheinend auch diverse Rechtsanwälte, die hier durch noch dubiosere Praktiken auffallen, als selbst in Amiland.  Außer Admiral Chen und Botschafter Bruce waren auch noch Präsident Litokwa Tomein und Außenminister Tony deBrum sowie etliche Abgeordnete anwesend.  Leider haben die Marschallesen beim Essen dermaßen zugeschlagen, daß für andere Leute kaum etwas übrig blieb.  Liping meint aber, daß es auch an der mangelnden Planung der Chefs aus Taiwan gelegen haben könnte.  Auf jeden Fall schmeckten mir besonders die Lammkoteletts mit Cumin (Kümmel?) und Oregano ganz vorzüglich.  Von Steffi haben wir übrigens gehört, daß die meisten Leute viel zu wenig von den Gewürzen benutzen, so daß der Geschmack gar nicht richtig hervorgebracht wird.  Außerdem werden die meisten Sachen viel zu lange gekocht, was dem Geschmack ebenfalls abträglich ist.  Wir können dem nur voll und ganz zustimmen.
 
Bruce hat mich zwar dem Admiral vorgestellt, aber ich habe mich hauptsächlich mit Kapitän Ching-Ming Chan unterhalten, der den Lafayette-Zerstörer befehligt.  Er hat immer wieder seine Bewunderung für unseren Lebensstil ausgedrückt und mir auch eine Visitenkarte gegeben.  Leider hat Aurora es inzwischen geschafft, diese irgendwohin verschwinden zu lassen.  Vielleicht war es aber auch der Wind, der Wind, das himmlische Kind, der hier oft durch das Wohnzimmer pfeift.  Wenn die Luken zu sind, wird es nämlich sofort sehr heiß und feucht.
 
                                                        Ostersonntag 2008
 
Bei Telekom-Nauru-Johnny gab es am Karfreitag extra-leckere gegrillte Tintenfische (Kalmare) hier aus der Lagune.  Außer mit Johnny habe ich mich hauptsächlich mit Elton, einem Fischereiinspektor aus Nauru, als auch mit dem Marschallesen Anton (der die Tintenfische gefangen hatte) und Albert aus Kosrae (Federated States of Micronesia / FSM) unterhalten.  Elton erzählte einige echte Horrorstories vom Leben auf den Purse-Seiners.  So hacken die Crews bei Meinungsverschiedenheiten mit Crews von anderen Schiffen sogleich mit Macheten auf deren Netze - und Leute - ein.  Selbst zu Schießereien ist es schon gekommen.  Anscheinend geht es da draußen echt zu wie im Wilden Westen.
 
Gestern habe ich dann das neueste Buch eines meiner Ober-Lieblingsautoren, Redmond O'Hanlon (1947),  gelesen.  In Trouble Again (Deutsch Redmonds Dschungelbuch) ist, seitdem es mir von meinem Prof  Lon Otto 1998 im Iowa Summer Writing Festival empfohlen wurde, *das* Reise- & Abenteuerbuch schlechthin.  Auch Liping ist wirklich begeistert von den Büchern Redmond O'Hanlons.  Nun habe ich durch Zufall die deutsche Übersetzung seines Buches Trawler  --  Von den Orkneyinseln bis nach Grönland (Serie Piper Taschenbuch, ISBN 978-3-492-24752-8,  €12,95) bekommen.  Also fiel die Arbeit erst einmal aus.  Ersatzlos gestrichen, zumal das Thema ja gerade brandaktuell ist.  Auch Trawler ist exzellent geschrieben, sehr informativ und teilweise dermaßen lustig, daß ich Tränen gelacht habe.  Ich kann es wirklich nur jedem empfehlen!  Es ist das intellektuellste seiner Bücher mit viel mehr Gedanken und Dialogen.
 
Dort wird unter anderem von einem Berkeley-Experiment berichtet, bei dem Stühle in einem Kino mit weiblichen Pheromonen besprüht wurden.  Die umsonst ins Kino eingeladenen Männer haben sich zu 100% auf diese Stühle gesetzt und die anderen frei gelassen.  Genau das gleiche passierte, als sie die Stühle mit männlichen Pheromonen besprüht  und Frauen ins Kino eingeladen haben.  Wieder eine Trefferrate von 100%.  Ist es nicht erstaunlich, daß unser Verhalten von irgendwelchen Dingen bestimmt wird, von denen wir absolut gar nichts mitkriegen?
 
Irgendwann muß ich mir auch mal ein paar Bücher zum umstrittenen Thema EQ (im Gegensatz zu IQ) besorgen.  Liping hat so was vor Jahren mal im Rahmen ihres Psychologiestudiums gelesen und da der EQ in unseren Gesprächen immer wieder auftaucht, wird es langsam Zeit, daß ich mich da genauer informiere.
 
Um 17:00 Uhr habe ich mir Aurora geschnappt und bin wieder zu Johnny & Co.  Dieses Mal hatte ich drei Liter selbst gebrautes Bier dabei, was dann auch ruckzuck verschwand.  Anton schleppte einen riesigen Kühlkoffer (wie ich einen im Cockpit stehen habe) voller Fische an, die sie hier Red Snapper und Grouper (Zackenbarsch) nennen.  Bin mir allerdings nicht sicher, daß dieses die richtigen Namen sind, vor allem beim Red Snapper.  Anton hatte sie im Laufe des Tages ganz allein irgendwo geangelt.  Außerdem scheint es immer Anton zu sein, der das Feuer entzündet und die Fische brät, was wohl sein Beitrag für die Bierrunde am Wochenende ist.  Die anderen Leute schleppen meist ein Sechserpack XXXX-Bitter und einen Sack voller Eiswürfel an.
 
Heute wird die ganze Bande zu uns an Bord kommen, wo wir sie mit Congyoubing (chinesischen Frühlingszwiebelpfannkuchen), selbst gemachtem Popkorn & selbst gebrautem Bier bewirten werden.  Vorhin krabbelte unser kleiner Rabauke eifrig über das Vordeck und auch sonst durch das ganze Boot, um die vom Osterhasen gelegten Ostereier aufzuspüren.  Dabei mußten wir feststellen, daß der Osthase hier keine Schokoladeneier hinterlegt, wohl in Anbetracht des heißen Tropenwetters.  Ganz schön schlau, der kleine Hase!
 
Morgen werden wir ernsthaft anfangen das Segel zu kleben, denn wir haben beschlossen, daß $300 für eine Pfaff 130 Nähmaschine zu teuer ist, da sie ja nur €75 oder $115 bei eBay kostet.  Hier lichten sich übrigens die Reihen, da immer mehr Boote gen Süden verschwinden.  Einige machen in Kiribati kurz Pause, während andere gleich ganz in den Südpazifik entschwinden.  Wir werden allerdings bleiben, bis all unsere Pakete hier angekommen sind & erst dann nach Kiribati segeln.  Schließlich planen wir ja noch ein ganzes Jahr in dieser Gegend zu bleiben, um uns die einsamen Atolle der Außeninseln anzusehen. 
 
Heute erfuhren wir, daß der ehemalige Bürgermeister Taipeis, Ma Ying-Jiu von der KMT die Präsidentschaftswahlen in Taiwan gewonnen hat.  Nach nur acht Jahren Unterbrechung ist die (ansonsten seit 1949 regierende) Kuomintang nun also doch wieder an der Herrschaft.  Gerade rief Botschafter Bruce an & meinte, daß er nun Zeit für ein Dinner an Bord von DHARMA BUM III hätte.  Das wird also irgendwann nächste Woche stattfinden.  Wir freuen uns schon auf dich sicherlich interessanten Gespräche! 

Saturday, March 01, 2008

Ein Tag an Bord eines hochmodernen Fischereifahrzeugs (Purse-Seiner)

Ein Tag an Bord eines hochmodernen Fischereifahrzeugs (Purse-Seiner)
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Auf dem Chinesischen Laternenfestival hatten wir den amerikanischen Kapitän Tony des Purse-Seiners AMERICAN EAGLE kennengelernt.  Obwohl das Schiff einer taiwanesischen Firma gehört, fährt es unter amerikanischer Flagge, da es so nicht für jede einzelne Insel eine eigene Genehmigung braucht, um dort fischen zu können.  Spart natürlich ganz unheimlich an Kosten, ist dabei aber für die amerikanischen Fischerboote eine Katastrophe, denn Fischereilizenzen sind sehr stark begrenzt.    Taiwans Quoten sind voll ausgelastet, so daß sie auf diese Art und Weise gewissermaßen um die Quoten herummogeln können. 
 
Wir kamen mit zwei Beibooten vorbei, als die AMERICAN EAGLE bei einem koreanischen Kühlschiff längsseits lag, um ihre Ladung zu löschen.  Dieses dauert mehrere Tage, obwohl mit jedem Netz etliche Tonnen Fisch auf das Kühlschiff wandern.  Bei dieser Ladung handelt es sich hauptsächlich um Skipjack-Thunfisch, der in einer Lauge aus Eis und Salz tiefgefroren gehalten & an Fischkonservenfabriken in Thailand geliefert wird.  Kaspar & Steffi von der CELUANN waren genauso beeindruckt wie wir, während unsere kleine Aurora Ulani recht froh war aus unserem wild bockenden Beiboot zu entkommen. 
 
Kapitän Tony nahm sich viele Stunden Zeit, um uns höchstpersönlich alles zu zeigen und vor allem unsere vielen Fragen zu beantworten.  Außer Tony ist kein anderer Amerikaner an Bord & außer dem Ersten Offizier gibt es nur noch zwei weitere Taiwanesen.  Wir trafen einen Filipino und alle anderen kommen hauptsächlich aus der VR China.  Insgesamt sind zur Zeit 43 Leute an Bord.  Es waren aber auch schon mal mehr als 50 Leute.  Normalerweise wird von morgens um 5:00 Uhr bis abends um 22:00 Uhr gearbeitet.  Den größten Verdienst bekommt nicht etwa der Kapitän, sondern der Mann, der die Fische ausfindig macht.  Wie der Erste Offizier uns erzählte, verdient dieser Mann in drei Jahren etwa 40 Millionen Taiwan Dollar (US$1.278.363).  Und insofern so ein großer Purse-Seiner unter taiwanesischer oder ähnlicher Flagge fährt, kann man auch die Kosten des ganzen Schiffes inklusive Hubschrauber und allem Drum und Dran in derselben Zeit wieder hereinbekommen.  Unter amerikanischer Flagge dauert so etwas dann schon mal 10 Jahre. 
 
Da wird es verständlich, daß bei allen Geräten, die der Auffindung der Fische dienen, kein Pfennig gespart wird.  Auf dem 12-bis-16-Meilen Radar kann man selbst auf diese Entfernung immer noch Vögel erkennen, die auf die Wasseroberfläche hinunterstürzen, um dort kleine Fische zu fangen.  Tony beruhigte uns Segler mehrmals, daß es absolut unmöglich wäre, daß so ein Schiff uns je übersieht.  Natürlich gibt es außer diesem "Vogel-Radar" noch etliche andere Radargeräte und dermaßen viele Kommunikationsmittel, daß man fast den Überblick verlieren könnte.  So werden zum Beispiel Radio-Bojen an Stellen abgeworfen, wo man Fische gesehen hat oder wo "Fish Attracting Devices" ausgelegt wurden.  Diese Bojen werden entweder mit einem großen "Radio Direction Finder" (RDF) wieder ausfindig gemacht oder senden gar ihre GPS-Koordinaten durch.  Letztere Bojen schlagen dann gleich mit etwa 2.000 Dollar zu Buche.  Natürlich hat jedes Schiff seine eigene streng geheim gehaltene Frequenz und da es im harten Konkurrenzkampf nicht gerade zimperlich zugeht, "klauen" die Schiffsbesatzungen oft die Bojen von anderen Schiffen, um ihre eigenen an diese Stellen zu pflanzen.  Später tauschen sie diese dann oft wieder miteinander aus. 
 
Tatsächlich verfügt die AMERICAN EAGLE über einen eigenen "Server-Room" voller modernster Computer, der dem eines Internet Service Providers (ISP) an nichts nachsteht.  Vier Mal am Tag kommt ein Anruf aus dem Hauptquartier in Taiwan über Inmarsat, um genauestens über die Lage informiert zu werden.  Das Schiff bleibt drei Jahre auf Fahrt, um dann für etwa drei Monate in der eigenen (!) Werft in Taiwan renoviert zu werden.  Die Crew arbeitet normalerweise sechs Monate am Stück, um dann zwei Monate frei zu haben.  Aufgrund der speziellen politischen Lage zwischen Taiwan und der VR China kann das Schiff die Crew allerdings nicht in Taiwan anlanden.  Außerhalb einer Zone von etwa 35 Seemeilen wird ein Rendezvous mit einem anderen Schiff vereinbart, welches neue Crew aus China mitbringt und gleichzeitig die alte abholt.  Ebenso geht es mit dem Tanken und dem Proviant, wobei diese großen Versorgungsschiffe bis zu den Marschallinseln oder bis nach Kiribati fahren, um die Flotte dort zu versorgen.  Bis auf den Kapitän bekommen so alle Leute an Bord Verpflegung aus Taiwan und China, was sie nicht nur am liebsten mögen sonders was auch um Ecken billiger ist als alles andere. 
 
Tony selbst hielte es allerdings für sinnvoller, wenn jedes Jahr eine internationale dreimonatige Schonzeit verhängt würde.  So könnten sich die Thunfischschulen regenerieren & die Schiffe könnten gleichzeitig in die Werft gehen.  Ausrotten werden man die Thunfische wohl nie, meinte er, aber irgendwann käme es eben doch so weit, daß sich die moderne Hochseefischerei nicht mehr lohnen würde.  Das sähe Tony nur höchst ungern, zumal auch sein Vater und sein Großvater schon Fischer gewesen wären. 
 
So ganz nebenbei erfuhr ich von ihm, daß es auf so einem Fischereischiff aus Taiwan doch merklich anders zugeht als auf einem deutschen Frachter wie der MS EIDER auf der ich 1979 als Decksmann nach Leningrad fuhr.  Die Ausbildung findet einzig und allein an Bord statt - nichts mit Seefahrtsschule, Lehrgängen, Prüfungen & Patenten.  Man kann eben nur unten anfangen und sich hocharbeiten.  Und wenn man Pech hat, wird man sein ganzes Leben als Crew arbeiten und nie zum Kapitän aufsteigen. 
 
Als wir in die große Speisehalle traten, bemerkten wir gleich, daß einige Crewmitglieder dort auf dem Fußboden schliefen.  Anscheinend war kein Platz für sie in den Crewquartieren.  Der Koch beklagte sich bei Liping, daß diese Meute zwar eher faul wäre, dafür aber beim Essen ordentlich zuschlügen.  Sechs Mal am Tag wird gefuttert und jeder Mann verdrischt bei so einer Mahlzeit etwa das dreifache wie unsereins. 
 
Aurora Ulani fand dies alles große Klasse, denn wieder einmal wurde sie mit allen möglichen Leckerbissen und Köstlichkeiten überhäuft.  Die vielen Tiere an Bord fand sie allerdings eher beängstigend, vor allem der große bellende deutsche Schaeferhund auf der Brücke.  Ein anderer junger Hund sprang schwanzwedelnd an ihr hoch, um sie abzuschlecken, worauf unser kleiner Zwerg überhaupt nicht vorbeireitet war & die beiden prompt umfielen.  Das gab wie zu erwarten ein großes Geschrei, welches aber glücklicherweise nicht lange währte.  Ansonsten rannten lauter Hühner über das Deck, was Tony nicht so erfreulich fand und irgendwo müssen auch Schweine auf dem Schiff leben, genau wie bei den alten Polynesiern. 
 
Tony erklärte, wie das riesige Netz deponiert und langsam und vorsichtig um die Fischschule herumgezogen wird.  Das hört sich leichter an als es tatsächlich ist und so kommt es oft vor, daß nur einzelne Fische gefangen werden statt eine Schule.  Mehrere "kleine" Boote mit starken Dieselmotoren müssen das Netz wie eine Kugel aufhalten, um den Fischen Platz zu geben mitten im Netz im Kreise zu schwimmen.  Wenn nämlich die Fische in Panik geraten und sterben, dann sinken sie sofort auf den Boden des Netzes, vermehren das Gewicht dort ganz erheblich und ziehen die Kugel aus der Form.  Und wenn sich gar ein paar Delphine (unter den Delphinschulen schwimmen oft Thunfischschulen) in das Netz verirren, so ist das ganz schlecht, denn obwohl diese locker oben über den Rand springen könnten, so begreifen sie es doch nicht, geraten selbst in Panik und der ganze "Set" wird sehr chaotisch und fällt dementsprechend schlecht aus. 
 
Glücklicherweise für alle Beteiligten - vor allem aber für die Delphine - haben diese inzwischen gelernt und machen einen großen Bogen um so ein Schiff.  Sobald sie es kommen hören, nehmen sie auf schnellstem Wege Reißaus, wobei sie anscheinend auch in der Lage sind diese Information und das Gelernte an andere Delphine weiterzugeben. 
 
Ein "Set" dauert von der Auslegung des Netzes bis zum Einholen des Fangs drei bis vier Stunden, wobei die Geschichte mit den Netz selbst nur etwa 23 Minuten dauert.  Die ganze andere Zeit wird auf die Sorgfalt verwendet, um die Kugel in Form und die Fische möglichst lange am Leben zu erhalten.  Im Durchschnitt gehen bei solch einer Aktion dann etwa 300 bis 400 Tonnen Skipjack-Thunfisch ins Netz.  Keiner dieser Fische ist groß genug, um bei den Japanern als Shashimi zu dienen.  Es kann aber schon sein, daß er z.B. in Hawaii in einem Touristenrestaurant als "Frisch Gefangener Hawaii Thunfisch" auf der Speisekarte steht.  Ich schätze die Größe der Fische auf maximal einen Meter lang und etwa 20 kg schwer. 
 
Auch den Hubschrauber ganz oben haben wir begutachtet.  Eine sehr kleine Maschine mit aufblasbaren Schwimmkörpern, die andauernd zum Einsatz kommt, hauptsächlich um Fischschulen ausfindig zu machen.  Zwischen den Landekufen steckte eine der Bojen, denn man weis ja nie wann sich Gelegenheit bietet das alte Bojenspiel zu spielen.  Mein Fall wäre so ein Helikopter allerdings nicht, denn was Tony so von dem Starten und Landen in schlechtem Wetter erzählte, ließ mir doch ein wenig die Haare zu Berge stehen.  Da habe ich lieber meinen festen - wenn auch ein wenig schaukelnden - Boden von DHARMA BUM III unter den Füßen. 
 
Kaspar ist als alter Sportsmann auch in den hohen Ausgucksmast geklettert, wobei er eigentlich vorhatte bis ganz nach oben in das geschützte "Körbchen" zu gelangen.  Dort fand er zwar auf Anweisung Tonys eine Falltür vor, konnte sie aber nicht aufkriegen.  Bei seinem vierten Aufstieg fand er schließlich eine Tür an der Rückseite des Turms, die aber leider verschlossen war.  Oder handelte es sich hier um einen Scherz von Tony? 
 
Dieser erzählte Steffi und mir derweil, wie er vor einiger Zeit drei I-Kiribati aus dem Wasser gefischt hatte, die monatelang mit ihrem Boot auf dem Ozean herumgetrieben waren.  Der älteste war "ein wenig wackelig auf den Beinen", aber die beiden jüngeren waren nach Tonys Aussage "topfit".  Sie hatten Angelzeug und etwas zu trinken dabei gehabt, so wie alle I-Kiribati es immer einpacken.  Meist sind ein paar Trinkkokosnüsse mit dabei und in Tarawa hatten wir viele ähnliche Geschichten zu hören bekommen.  Sehr erstaunlich, wie diese Mikronesier auf dem Meer überleben können.  Erstaunlich war auch die Ursache für die unfreiwillige Seereise.  Die Grund war einzig und allen ein verstopfter Treibstofffilter. 
 
Schließlich war es an der Zeit an unseren Abgang zu denken, wobei wir noch mit einem großen männlichen Mahi Mahi (Dorado, Goldmakrele, Dolphinfish oder Coryphaena hippuris) und einem ebensogrossen Wahoo (Tazzard, gehört zur Familie der Marline und Schwertfische, Acanthocybium solandri) beschenkt wurden.    Außerdem gab es noch im Dampf gegartes Brot chinesischer Art wie Baozi, Mantou und ähnliche Geschichten.  Zusammen mit den insgesamt 120 Eiern, etlichen Maiskolben usw. usf. die wir am Vortage von der Taiwanesischen Farm geschenkt bekommen haben, sind wir nun mit Vorräten mehr als eingedeckt.  Da wir ja sowieso keine Fischesser sind, haben wir auf den Wahoo ganz verzichtet, nur ein paar kleine Mahi Mahi Filets angenommen und den Rest Kaspar und Steffi überlassen. 
 
Wieder an Bord waren wir alle doch reichlich müde von den vielen Eindrücken der letzten Tage und mußten es eher ruhig angehen lassen. 

Thursday, February 28, 2008

Holg kommt zurück zu DHARMA BUM III in Majuro, Marschallinseln

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Thursday, February 21, 2008

DHARMA BUM III in Majuro auf den Marschallinseln

Freitag, der 25. Januar 2008
Latitude: 02°42.38'N  Longitude: 172°31.85'E
 
Gestern haben wir nicht viel geschafft bekommen & auch heute sieht es nicht viel besser aus.  Ein sehr großes französisches Boot (PHRYNE - Dufour 56) hat in einer 50-Knoten-Bö sein Groß geschreddert - der Wind stieg in wenigen Sekunden von 15 auf 50 Knoten - und uns das alte Groß als Material für unsere Reparaturen überlassen.  Da so eine große Reparatur sauteuer ist, lohnt es sich vielleicht nicht einmal, so daß ich schon an Lee Sails in Hong Kong geschrieben habe, was denn wohl eine neue Genua kostet.  Dito an Bacon Sails für ein gebrauchtes.  Auf jeden Fall wird uns der ganze Spaß mal wieder viele Dollars kosten. 
 
Sonntag, der 27. Januar 2008

Gestern haben wir den ganzen Tag damit zugebracht, das riesige Groß der Franzosen zu zerschneiden und sonstwie zu verwerten, so daß wir das Segeltuch überhaupt irgendwo verstauen können.  Hinterher juckte und kratze es überall wie von Fiberglas und außerdem kamen uns aus dem Segel viele kleine Kakerlaken entgegen.  Trotzdem war es die Geschichte wert, denn nun werden wir wohl immer genug Material zum Segel flicken haben.  Abends ging es zum Australia Day bei der Australian Navy.   Genau wie mein Kumpel Bob echte "Höhlenmenschen" mit einem eigenartigen Humor.  Gleichzeitig aber extrem hilfsbereit und gastfreundlich.  Sie haben Unmengen an Grillfleisch und Bier bereitgestellt, aber wir hatten auch etwas zu Essen und Trinken mitgebracht.  Mit den anderen Yachties haben wir uns auch unterhalten, aber so furchtbar interessant war das nicht.  Wie Jörn & Karl immer so schön sagen - eine echte Campingplatzatmosphäre...
Dienstag, der 29. Januar 2008
 
Gestern abend um 21:36 rief auf einmal Taiwan-Botschafter Bruce J.D. Linghu an, um uns zu fragen ob wir nicht Lust hätten per Boot zur Insel Arniel zu segeln, um dort die Vizepräsidentin Taiwans, Anette Lü, zu treffen.  Heute morgen um 7:51 Uhr - schlafen die Leute in der Botschaft denn überhaupt gar nicht? - rief Sekretär Robert Chang an.  Er hat uns die Details gegeben.  Auf Arniel liegt ein Ressort, das dem früheren Außenminister der Marschall Inseln gehört und dort sind wir also morgen Mittag zu einem Grillfest der hohen Tiere eingeladen.  Ich habe erst einmal auf der Seekarte nachgesehen & Tom auf VANESSA Löcher in den Bauch gefragt.  Er hat mir abgeraten einfach dort zu ankern & mir gesagt, daß die Mikronesier im allgemeinen es ungern sehen, wenn man sein Boot nicht an den designierten Ankerplätzen parkt.  Also haben wir beschlossen mit den Dinghy dorthin zu brausen, da es nur 1 1/2 Seemeilen entfernt ist.
 
Außerdem soll Liping morgen vormittag um 10:00 Uhr zu einem Frauentreffen gehen, bei dem Anette Lü sprechen wird.  Und vorhin erfuhren wir, daß wir gleich zum Flugplatz sollen, um dort das Empfangskomitee zu vergrößern.  Ein ganz schöner Wirbel hier...
 
Sonntag kamen also Samuel Lin Xueming, seine Frau & sein Neffe zu uns an Bord, wobei sie einen großen Einkaufswagen voller Bier, Knabbersachen, Äpfel, Süßigkeiten, und Getränke "Made in Taiwan" mitbrachten.  Abends haben wir bei ihnen zu Hause gegessen, wobei Aurora mal wieder ein Geschenk bekam.  Ratet mal was...   Richtig, eine große "Hello Kitty" Plüschkatze aus China.
 
Gestern, also Montag, erfuhren wir, daß Sonnabend irgendwer die Muringleine der Yacht SEAL durchgeschnitten hat & das Boot fast verloren gegangen wäre.  Glücklicherweise hat ein Schiff mit einem großen Radar es noch rechtzeitig ausfindig gemacht.  Anscheinend haben Carey & Karen hier an Land ernsthafte Feinde.  Tom erzählte, daß auch RARE EARTH von Henry losgeschnitten worden war, da die Einheimischen seinen Ankerplatz nicht gut fanden.  Außerdem erzählte Tom, daß man 100 Taler abdrücken muß, wenn man das Nachbaratoll Arno besuchen will.  Bei einigen Atollen sind es auch US$ 250 und in den Vereinigten Staaten Mikronesiens (FSM) sind es sogar ab und zu über US$ 400!  Die Welt hat sich hier ganz schön verändert.
 
Ansonsten hatten wir gestern diverse Leute an Bord, die unsere Mylar-Fock reparieren wollten.  Die ersten wollten satte 200 Taler haben.  So viel haben wir in Panama für das Segel bezahlt.  Die Leute von SEQUESTER wollen dagegen nur US$ 10 pro Stunde haben (wir stellen das Material) und rechnen mit etwa drei bis vier Stunden Arbeit.  Also haben wir dort zugesagt.  Bei NAPA habe ich die Filter bestellt & bekam erst einmal einen Preis-Schock.  Einmal Filter wechseln kostet hier also um die 200 Steine.  <Boah!>
 
~~~~~
 
Erst ging es mit Jenny aus Taiwan zu einem anderen Taiwanesen, der auch Patrick heißt.  Er kam vor allem Liping sehr bekannt vor, wir wußten aber nur, daß er der vorige Vorsitzende der Taiwanesenvereinigung war.  Am Flugplatz dann trafen wir zwei Sekretäre der Botschaft, Robert Chang & Herr Wong, als auch den Botschafter Bruce J.D. Linghu selbst.  Und natürlich jede Menge Taiwanesen.  Es dauerte eine ganze Weile, bis der Flieger von Continental Airlines weg war & der Charterjet von China Airlines ankam.  Währenddessen haben wir uns mit den beiden Sekretären und einem Journalisten vergnügt & ein paar Fotos gemacht.  Als die Vizepräsidentin ausstieg, habe ich noch ein paar Fotos gemacht & bemerkte, daß Botschafter Bruce die Vizepräsidentin extra auf uns zusteuerte, um uns vorzustellen.  Dieses tat er mit den Worten:  "Dieses sind die Leute, Herr & Frau Jiang, die mit dem Boot hierhergekommen sind. Herr Jiang ist Deutscher, aber auch ein Schwiegersohn Taiwans."  (So werden alle Ausländer genannt, die eine Taiwanesin geheiratet haben.)  Rundherum eine Unmenge Journalisten und Würdenträger, Geheimdienstleute und Bodyguards.
 
Ich habe auch brav ihre Hand geschüttelt, doch aus der Fotosession danach wurde nichts, denn alle Leute aus dem Flieger waren total erschöpft und wollten nur noch in ihre Hotelbetten fallen oder sich doch ein wenig frisch machen.  Ist ja auch verständlich, finde ich.  Ich war auch schon fast zerschmolzen & bekam Kopfschmerzen wegen Wassermangel obwohl ich dort eine Flasche "Pacific Pure Water" getrunken hatte.  Herr Wong schenkte uns gleich mehrere Solarbetriebene 5-LED Taschenlampen, denn er meinte, die könnten auf einem Boot wohl von Nutzen sein.  Natürlich bekamen wir auch wieder je eine Gastflagge für die Marschallinseln und für Taiwan.
 
Zurück ging es ebenfalls mit Patrick Wang, wobei wir herausfanden, daß er auch ein ziemlicher Globetrotter ist.  Wir haben uns prächtig unterhalten.  Eigentlich wollten wir danach mit Aurora den Co-Op Kindergarten für Ausländer angucken, aber Patrick wollte uns lieber bei sich zu Hause zum Essen einladen, denn er kocht für sein Leben gern.  Außerdem lebt seine Frau mit den beiden älteren Kindern in China, während er hier mit dem Jüngsten das Haus hütet.  Als Liping fragte, ob er früher oft im Fernsehen gewesen wäre, grinste er & meinte das könnte gut angehen.  Schließlich erzählte er uns dann, daß er früher ein Kollege des jetzt amtierenden Bürgermeisters von Taipei, nämlich Ma Ying Jiu (KMT) und schließlich auch selbst Politiker gewesen wäre.  Natürlich war er da täglich im Fernsehen.  Ursprünglich mit der Kuomintang / KMT ist er später in die Neue Partei eingetreten & war dann mit James Song zusammen.  Er war im Bundestag Taiwans (Federal Assembly) und hat für seine eigene Wahlkampagne eine Million US Dollar auf den Tisch gelegt.  Doch als die "grüne" (strebt die totale Unabhängigkeit Taiwans an) Ming Jin Dang (Democratic Progressive Party / DPP) im Jahre 2000 die Regierung übernahm, war er überzeugt davon, daß es mit Taiwan in wirtschaftlicher und politischer Hinsicht nur noch bergab gehen könnte und ist ausgewandert.  Aus politischer Sicht ist er der "blauste" (strebt die gute Nachbarschaft und eventuelle Wiedervereinigung mit China an) Chinese, den ich kenne.
 
Mittwoch, der 30. Januar 2008
 
Gestern ging es mit Henry von RARE EARTH & Wolf von NOMAD auf ein Bier an Land.  Liping andauernd über UHF-Funke an, so daß der Abend kein voller Erfolg genannt werden konnte.  Das lag natürlich nicht an Liping, sondern vor allem an den Leuten vom Taiwan-Geheimdienst (beschützen hochgestellte Persönlichkeiten), denn mit denen muß absolut alles abgesprochen werden.  Ich habe gesagt, daß ich DHARMA BUM III nur höchst ungern verlegen wollte & schließlich haben wir uns alle darauf geeignet, daß Liping nicht zum Frauentreffen gehen muß, wir aber um 10:00 Uhr im Marshall Islands Ressort Hotel (MIR) erscheinen sollten.  Im Prinzip waren wir fix & fertig, doch wir kamen trotzdem erst nach Mitternacht in die Falle.
 
Heute morgen haben wir erst einmal eine Muring besorgt, denn unsere Freunde Kaspar und Steffi auf dem großen Catana-Katamaran CELUANN aus der Schweiz hatten per eMail darum gebeten.  Außerdem überlegen sie sich, ihr Boot fortan unter der Flagge der Marschallinseln fahren zu lassen, da ihnen die Bestimmungen der Schweizer Behörden mehr und mehr auf den Geist gehen.
 
Carey von SEAL kam an Bord, um Neuigkeiten über Johnny Damron und den Streß hier auszutauschen.  Er überlegt ernsthaft wegen dieser Geschichte (durchschneiden der Muringleinen) hier abzuhauen, denn wenn seine schlimmste Befürchtung wahr ist & dieser Akt der schweren Sabotage von jemandem verübt wurde, der gute Beziehungen zu den Land-Ältesten (nur denen gehört Land, eine richtige Demokratie gibt es hier nicht) hat, dann ist er in echten Schwierigkeiten.
 
Ansonsten war eher Hektik angesagt, aber wir kamen trotzdem rechtzeitig bei MIR an.  Dort trafen wir Tom von VANESSA und wenig später saßen wir mit den Leuten vom Taiwan-Außenministerium zusammen.  Da wir noch ein wenig Zeit hatten und das offizielle Boot außerdem so lahm war, sind wir noch kurz zurück zu DHARMA BUM III, um einen Heckanker und wesentlich mehr Leinen zu holen.  Ersteren brauchten wir zwar nicht, aber letztere waren unerläßlich.
 
Wir kamen mit den Froschmännern/Bombensuchern/Scharfschützen/Nahkampfexperten/Bodyguards auf der Insel an & da sie alle sehr von Aurora angetan waren, erfuhren wir bald vieles aus ihrem täglichen Leben.  Selten schlafen sie mehr als vier Stunden am Stück.  Für das Unterwasserteam ist es besonders schwierig, da der Druckunterschied von einem Düsenflieger zu einem Tauchgang extrem groß ist. Später unterhielt ich mich hauptsächlich mit einem Knaben vom Taiwan-CIA, denn fast alle anderen Leute waren hektisch wie Waldameisen.
 
Kurz nach dem Essen kamen wir dann doch noch dazu uns zusammen mit Annette Lü fotografieren zu lassen, was gar nicht so einfach war. Zum einen war da der Bienenschwarm von Fernsehteams & Offiziellen und zum anderen war Aurora Ulani recht quakig, da sie heiß, sonnenverbrannt und müde war.  Schließlich wurden wir noch interviewt & fotografiert, doch schon bald gaben die Leute von der Botschaft das Zeichen zum Aufbruch.  Wir zischten mit unserem blauen Flitzer an den anderen Booten vorbei, aber dafür bretterten diese später wahre Flutwellen hinterlassend durch das Bojenfeld in dem wir liegen.
 
Jetzt ist erst einmal wieder Ruhe bis Sonnabend abend, an dem die offizielle Botschafts-Feier für das Chinesische Mondneujahr stattfindet, und zwar im Long Island Hotel.  Fraglich ist, ob wir irgendwann auch einmal dazu kommen unser Boot zu reparieren, denn nun sind wir schon zwei Wochen hier und haben noch rein gar nichts geschafft.  Das liegt nicht allein an unserer Faulheit.  Liping, Aurora & ich sind hier oft extrem müde und schlaff, so daß wir uns schon fragen ob wir uns vielleicht irgend etwas eingefangen haben.  Wolf klagte auch schon über ähnliche Symptome - und auch er war vorher in Kiribati gewesen.
Mittwoch, der 30. Januar 2008
 
 
Gerade eben bemerkten wir einen Hubschrauber, der von einem der hochmodernen Fischerboote (Purse Seiner) aufstieg und hier durch die Gegend flog.  Er hatte Schwimmkufen, so daß er auch auf dem Wasser landen kann.  Ganz schön laut, so ein kleiner Flieger!  Aurora rief:  "Guck mal, Mama!  Der fliegt immer um uns herum!"  Tatsächlich war es so & als wir genauer hinsahen, sahen wir einen Fotografen Bilder von uns machen.  Wir winkten ihm zu, er drehte noch eine Ehrenrunde und landete wieder auf dem Schiff.  Da haben die wahnwitzigen Reporter & Journalisten aus Taiwan doch tatsächlich einen Helikopter gechartert, nur um ein paar schöne Aufnahmen von DHARMA BUM III zu bekommen!  Finden wir schon sehr erstaunlich, was uns in letzter Zeit alles so passiert.
 
Freitag, der 1. Februar 2008
 
Liping erzählte mir gestern, daß die Journalisten, welche uns interviewt haben, für die Central News Agency (Taiwan) arbeiten.  Bin ja mal gespannt, ob irgendeiner unserer Bekannten in Taiwan über diese Sache stolpern wird.  Ansonsten war ich mit Henry von RARE EARTH unterwegs, um Öl- & Dieselfilter, Kraftstoff- und Kühlwasserleitungen, Niroschellen, Keilriemen usw. usf. zu kaufen.  Henry ist *total* pleite & so habe ich ihn für 25 Dollar die Stunde angeheuert, um bei mir die Leitungen zu erneuern.  Nebenbei haben wir halt noch alle möglichen anderen Sachen ausgetauscht.
 
Wir sind überall herumgepilgert und am Ende habe ich sogar mein Geld von NAPA zurückbekommen, denn erstens waren sie unverschämt teuer & zweitens hatten sie außer einem weiteren dicken Preisaufschlag sich auch noch in der Zeit vertan.  Gestern war Henry seine 20 Dollar also echt wert, denn so konnte ich fast 90 Dollar an Frachtkosten sparen.  Also habe ich ihm noch etliche Biere ausgegeben und ihn außerdem bei uns zum Essen eingeladen.
 
Heute morgen um 8:20 Uhr ging es weiter und fertig sind wir immer noch nicht, obwohl es schon 16:30 Uhr ist.  Das lag unter anderem daran, daß wir Penner zwar einen Filter von der richtigen Größe gekauft hatten - dieser aber ein Kraftstoff- und kein Ölfilter war. Also durfte ich wieder überall herumpilgern, wobei ich mich schließlich auf mein Augenmaß verlassen mußte.  Hoffentlich klappt das jetzt auch alles!
 
Gerade eben bekam ich mein repariertes Mylar-Segel zurück.  Die Arbeit hat insgesamt 11 Stunden gedauert, wofür wir US$ 110 an die Yachties von SEQUESTER bezahlt haben.  Nun haben wir immerhin wieder ein halbwegs brauchbares Segel!  Gerade eben liefen beide Maschinen kurz, wobei wir allerdings ein Dieselleck oben an den Injektoren bemerkt haben.  Gleich werden wir die Dinger noch einmal anschmeißen, denn inzwischen sind die neuen Filter eingebaut und wir haben je 5,7 Liter neues Öl in die Motoren gekippt.  Henry meint allerdings, daß ich versuchen sollte größere Ölfilter zu finden.  Ok, auch das werde ich noch geregelt bekommen.  Außerdem brauche ich eine neue "Fuel Lift Pump" für meine Bbd-Maschine, denn die alte Pumpe leckt und wird es nicht mehr lange machen.  Die wird wahrscheinlich von Volvo-Penta kommen müssen, wenn mich nicht alles täuscht.
 
Außerdem ist Lofrans (U.S.A. - auf Italien habe ich keinen Bock mehr) nach nur 3 1/2 Monaten endlich in die Puschen gekommen & so habe ich dort heute für 421,13 Luschen einen neuen Elektromotor für meine Ankerwinsch bestellt, den sie mir dann per USPS Priority Mail schicken werden. Irgendwann geht es dann vielleicht auch mal mit dem Segel und dem Toggle weiter und vielleicht habe ich dann erst mal wieder einige Zeit Ruhe. 
 
Dienstag, der 5. Februar 2008
 
Als wir im Long Island Hotel angekommen waren, sahen wir auch bald ein paar Taiwanesen auf der Veranda herumstehen & haben uns mit ihnen unterhalten.  Es wurde ein viel größeres Fest, als wir erwartet hatten.  Wir wurden gleich am Nebentisch von Litokwa Tomein, dem Präsidenten der Republik der Marschallinseln (RMI), diversen Ministern, Senatoren und "unserem" Botschafter hingesetzt.  Erst gab es die unausweichlichen Reden, dann eine Verlosung & natürlich ein chinesisches Abendessen mit Verteilung der traditionellen roten Umschläge.  Anschließend Karaoke & dann ein etwas abruptes Ende.   Der Boss der Formosa Supermarktkette, Samuel Lin, lud uns für das Chinesische Mondneujahr zu sich nach Hause ein & der frühere Abgeordnete Patrick Wang fuhr uns nach Hause.
 
Sonntag kamen auf einmal Kaspar & Steffi an Bord, so daß wir uns so lange mit ihnen unterhalten haben, bis es an der Zeit war, die Leute von der Botschaft für einen Bordbesuch abzuholen.  Dabei war ein zweites Dinghy überaus nützlich, denn sie kamen hier mit sechs Leuten an.  Es gab einen Drink an Bord, wir haben alles gezeigt und vorgeführt & schließlich noch eine ganze Zeit lang geschnackt - hauptsächlich allerdings Botschafter Bruce, Kaspar & ich.  Die anderen Taiwanesen verhalten sich immer ausgesprochen schweigsam & respektvoll, wenn ein Botschafter zugegen ist.
 
Anschließend ging's an Land, schnell zurück an Bord etwas essen und dann mit Wolf und Doris von der NOMAD auf den Catana 43 Katamaran CELUANN von Kaspar und Steffi.  Dort bin ich erst gegen 2:00 Uhr wieder weg gekommen, denn es gab viel zu erzählen & sie haben auch viele Fragen über Taiwan gestellt.  Montag war dann wieder mal ein "Tag der Arbeit", denn Henry machte sich Sorgen um die Betriebstemperatur und die Startschwierigkeiten meiner Stbd-Maschine.  Er hat den Thermostaten und etliche andere Sachen ausgebaut. In einem Topf mit heißem Wasser & mit einem Bratofenthermometer (steckt man in den Braten rein) haben wir den (82°C) Thermostaten dann gemessen & siehe da:  Er fing viel zu spät an sich zu öffnen & vollständig geöffnet war er erst bei weit über der Betriebstemperatur.  Auch die ganzen Geräte für unsere Tiefkühltruhe wurden ausgebaut & anschließend ging es los durch die Geschäfte, um Teile zu finden.  Das war sehr frustrierend, denn alles was wir suchten gab es nicht.  So schlimm wie sich das anhört, ist das allerdings nicht, denn ich fahre ja nicht in kalten Gewässern durch die Gegend & brauche die Maschinen ja sowieso nur, um einen Ankerplatz anzusteuern oder zu verlassen.  Folglich wird meine Maschine nicht zu kalt laufen (schlecht).  Überhitzen (noch viel schlechter) kann sie sich nun auch nicht mehr.  Wir haben es gemessen.
 
Dann war da noch die Sache mit den Startschwierigkeiten, die jetzt auch behoben ist.  Zum einen hatte sich der Startermotor gelockert.  Entweder, weil ich die Bolzen nicht fest genug angezogen habe oder aber durch die Vibrationen.  Zum anderen war da noch eine schlechte Masseverbindung, die ich schlicht und einfach übersehen habe.  Der ganze Spaß kostete auch wieder 125 Taler und ist noch nicht vollständig.  Den Thermostaten werde ich mir irgendwo suchen müssen & außerdem muß meine Spritpumpe (Fuel Lift Pump) repariert werden, denn sie leckt und wahrscheinlich ist die Membrane hin.  Dann habe ich ja noch Wasser im Bbd-Saildrive, während bei dem Stbd-Saildrive anscheinend die Dichtung zwischen Motor und Saildrive hin ist, denn dort leckt das Getriebeöl heraus, was nicht nur eine Schweinerei ist, sondern auch schlecht für die riesengroße Gummidichtung zwischen Motorraum und Ozean.
 
Trotz alledem.  Henry meint, daß meine beiden Diesel nun erst einmal relativ in Ordnung wären & sich auch gut anhören würden.  Mir fällt überhaupt schon ein Stein vom Herzen, daß jetzt beide Volvos ohne Macken sofort anspringen, denn wenn es Streß gibt, geht es oft um Sekunden.
 
Gestern abend war ich mal wieder total fix und fertig, aber dummerweise war es da noch viel zu früh zum Schlafen.  Als es dann so weit war, konnte ich wieder schwer ins Bett finden.
 
Heute wollte ich eigentlich endlich mit der Rollfock anfangen (wozu man mindestens zwei Leute braucht, denn hier weht es ja immer), aber das hat wieder nicht geklappt.  Zum einen mußte Liping dringend Wäsche waschen & zum anderen gab es eine große Yachtie- Dieselkaufaktion.  Gestern schon hatte ich mir ein Mittel namens Biobor-JF gegen die Algen Cladosporium resinae und Pseudomonas aeruginosa gekauft.  Diese haben nämlich besonders meinen Bbd-Tank verseucht, wie man beim Kraftstofffilterwechsel deutlich sehen konnte.  Dieses Zeugs werde ich von nun ab immer unter meinen Diesel mischen müssen, um größerem Ärger vorzubeugen.  Irgendwann ist aber sowieso Tankreinigung angesagt, was auch für die Süßwassertanks gilt.  Ich habe insgesamt nur 33 Liter getankt, was einem Verbrauch von 1,48 l/Std pro Maschine entspricht.  Zum Vergleich:  Kaspar hat 180 Liter geordert & Wolf 90 Liter.  Jedenfalls sind die Tanks jetzt wieder randvoll, was auch der Kondensation entgegenwirkt.
 
Gleich werde ich mich auf die Suche nach einem Reparaturkit für die Kraftstoffpumpe machen & wenn ich dann noch fit bin, muß ich die neuen Schwimmerschalter einbauen.  Morgen abend gehen wir erst zu Samuel Lin zum Essen (Chin. Mondsilvester) und hinterher vielleicht noch zur Karaoke bei Bruce.  Wahrscheinlich aber eher nicht, denn Aurora ist bestimmt viel zu müde zu dem Zeitpunkt. Gestern durfte sie sich übrigens zum ersten Mal selbst etwas kaufen, denn wir wollen ihr gerne vermitteln, daß das Chinesische Mondneujahr etwas besonderes ist & außerdem hatte sie ja ihren roten Umschlag bekommen.  Sie hat sich dann eine "Made in China" Kopie einer schwarzen Barbiepuppe für weniger als zwei Dollar ausgesucht und spielt jetzt die ganze Zeit oberglücklich damit.
 
Wir wünschen Euch ein Frohes Neues Jahr der Ratte, in dem auch ich geboren wurde.  :-)
 
Sonnabend, am 9. Februar 2008
 
Das mit Internet & Lee Sails wurde natürlich nichts.  Statt dessen war ich vergeblich unterwegs, um nach einem Reparaturkit für die Spritpumpe zu suchen.  Kaspar war hier und bald ging es auch schon los zur Mondneujahrsfeier.  Diese fand in einem großen Supermarkt statt, was einmal etwas Neues war.  Drei große runde Tische mit Drehscheiben ("Lazy Suzan") in der Mitte standen im Laden & Samuel Lin meinte zu seinen Gästen, daß sie sich aus den Regalen selbst ihre Lieblingsdrinks holen sollten.  Das macht er jedes Jahr so.  Patrick Wang war ebenfalls unter den Gästen und zwar zum ersten Mal.  Er sorgte für Stimmung & der Abend wurde immer lustiger.
 
Ich saß neben einem Japaner der hier Handel treibt und plötzlich kam ein Chinese auf mich zu, um mich zu fragen, ob ich 1995 in Nauru gewesen wäre.  Er meinte mit mir zusammen gespeist zu haben & das kann ja wirklich gut angehen.  Wie klein die Welt doch ist! Und wie schnell alles immer geht!  Es wurde recht spät und Aurora wurde quakig, so daß Patrick Wang sich unserer erbarmt hat, um uns nach Hause zu fahren.
 
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Eine Sache, die mir wieder einmal die große Kluft zwischen Chinesen und Ausländern verdeutlichte, war ein Anruf von Lipings Bruder Roy & Lipings Gedanken dazu.  Roy meinte nämlich, daß sich die Gesetzeslage in Taiwan geändert habe & fortan Kinder selbst entscheiden können, ob sie den Familiennamen des Vaters oder den der Mutter annehmen möchten.  Und Liping liegt sehr daran, daß unsere Kleine ihren Familiennamen (Yeh) trägt, denn nur so läßt sich der Stammbaum aufgrund der Ahnentafeln nachverfolgen.  Ihrem verstorbenen Vater war diese Geschichte sehr wichtig, aber Liping selbst weiß so gut wie gar nichts davon.
 
Dummerweise paßt aber der Rest des Namens für Chinesische Ohren nicht mit dem neuen Nachnahmen zusammen, so daß Liping jetzt erwägt unserer Kleinen einen komplett neuen Chinesischen Namen zu verpassen.  So recht gewöhnen kann ich mich nicht daran, daß unsere Kleine nun nicht mehr "Jiang Yuetong" heißen soll, aber trotzdem hat Liping meinen Segen in dieser Sache, da sie anscheinend für Chinesen so wichtig ist.
 
Donnerstag waren meine beiden Mädels einkaufen, während ich die beiden Bilgen unter den Motoren gereinigt habe, denn die waren voller Diesel und Öl.  Eine schreckliche Schweinerei, die auch noch furchtbar stank, so daß ich auch noch den letzten Tropfen aufwischen mußte, um diesem Geruch in Zukunft wenigstens ansatzweise vorzubeugen.  Trotzdem war meine Laune ausgezeichnet, zumindest bis Liping mir eröffnete, daß abends schon wieder ein Dinner mit Leuten aus Taiwan angesagt war.  Das ist ja alles gut und schön, aber auf diese Art und Weise kriege ich die Reparaturen nie in den Griff & wir müssen für immer und ewig hier bleiben.  Schon jetzt haben wir uns mit der Segelgeschichte mindestens einen weiteren Monat hier eingehandelt, denn diese Sache hätte als allererste über die Bühne gehen müssen.  Kaspar bat mich um Hilfe, denn sein Internet wollte nicht und da er gerade versucht sein Haus zu verkaufen ist eMail für ihn extrem wichtig.
 
Zum Geburtstagsdinner im Uliga-Restaurant erschien das Geburtstagskind erst nicht.  Das lag daran, daß der Präsident auf einmal beschlossen hatte mit dem Botschafter und seiner Crew das Chinesische Neujahr zu feiern - und eine Einladung des Präsidenten schlägt man ja nicht aus.  Später kamen Bruce und der Boss der Forschungsfarm allerdings doch noch & außerdem brachten sie einen alten Kapitän mit.  Dieser war während des Iran-Irak Krieges auf dem damals größten Frachtschiff der Welt tätig (etwa 460 Meter lang), als es von mehreren Raketen getroffen wurde.  Untergehen tat der Kahn allerdings nicht & obwohl er später noch mehrmals von Raketen getroffen wurde, schwimmt er heute immer noch.  Der alte Kapitän erzählte uns auch, daß so ein moderner "Purse Seiner" mit Hubschrauber für den Thunfischfang seine Kosten schon in ein bis zwei Jahren wieder hereingespielt hat.  Und das obwohl der Kapitän auf so einem Dampfer auch noch bis zu 300.000 Taler im Jahr verdient.
 
Die Fete ging (wie bei Chinesen so oft) abrupt zu Ende & wir sind zu Fuß nach Hause geschlendert.
 
Gestern habe ich mir die beiden vorderen Stauräume direkt am Bug vorgenommen.  Auch dort mußten die beiden Schwimmerschalter und in einem Fall auch noch die Bilgepumpe erneut werden.  Ich habe den ganzen Tag überlegt, warum dort alles immer so schnell zu Bruch geht und bin zu dem Schluß gekommen, daß diese Schalter und Pumpen den Belastungen im Vorschiff schlicht und einfach nicht gewachsen sind.  Wenn man wie wir wochenlang gegenanbrettern muß (von Fidschi nach Kiribati und von dort nach Majuro), dann kracht ja der Bug bei jeder Welle voll ins Wasser, was immer wieder sehr harte Schläge sind.  Dahingegen geht es hinten sehr viel ruhiger zu & so haben wir hinten auch wesentlich weniger Ärger mit den Dingern.  Und die Kielyachten setzten durch ihre Form und die ausschließliche Verdrängungsfahrt viel weicher ins Wasser ein - ganz davon abgesehen, daß sie dort vorne gar keine Bilge haben.  Bei Kaspars Catana 43 wurde das Problem dadurch gelöst, daß die vorderen Bilgen bis über die Wasserlinie ausgeschäumt und außerdem selbstlenzend sind. Ich überlege es ihm irgendwann gleich zu tun, denn ich bin mir ziemlich sicher, daß ich sonst immer und immer wieder Ärger dort haben werde.
 
Ich war wieder relativ guter Dinge, bis ich dann los mußte, um zusätzliche Bilgepumpen und Schwimmerschalter zu kaufen.  Dazu war ich dann in allen möglichen Läden & mußte zu meiner Verwunderung vorstellen, daß ich tatsächlich die allerletzten Schwimmerschalter und fast die letzten bezahlbaren Bilgepumpen in Majuro eingekauft hatte.  Also habe ich Kaspars alten Quecksilber-Schwimmerschalter bei mir eingebaut, denn er braucht ihn ja nicht mehr.  Außerdem bin ich Kaspars Beispiel gefolgt und habe mir eine kleine (8 1/2 Liter) "Mikrobrauerei" zugelegt, denn zwei davon waren gerade um 50% herabgesetzt & Kaspars Dunkelbier (Stout) schmeckte mir ausgezeichnet.  Eigentlich habe ich ja gar keine Zeit für solchen Unsinn, aber Kaspar und Steffi sagten, daß ihre große (50 Liter) "Brauerei" doch sehr hilft, die Lebenshaltungskosten niedrig zu halten.  Mal sehen...
 
Montag, der 11. Februar 2008
 
Meine Computerjobs am Wochenende auf CELUANN und auf NOMAD gingen so schnell & problemlos vonstatten (Virenscanner & Firewalls, elektronische Seekarten, Navigationsprogramme, Grafikkarten & DVD-Abspielprogramme auf drei verschiedenen Computern installieren bzw. insten), daß ich hier inzwischen als Computergenie "verschrieen" bin. Dabei habe ich schlicht und einfach nur Glück gehabt.
 
Das Abendessen bei Steffi war ganz große Klasse und so haben wir die beiden gestern zu uns eingeladen.  Wir verstehen uns wirklich prima & vor allem Steffi ist immer guter Laune.  Natürlich kam ich nicht dazu irgend etwas an DHARMA BUM III zu tun.  Am Nachmittag haben wir dann das erste "Faß" Bier aufgesetzt, was jetzt mindestens eine Woche gären muß, um danach noch mindestens eine Woche Flaschengärung durchzumachen.  Danach muß es dann gelagert (deswegen "Lager") werden und irgendwann schmeckt es dann hoffentlich ganz wunderbar.  In Vanuatu soll eine Dose Bier nämlich bis zu 5 Dollar kosten & das finden wir nun doch etwas übertrieben.
 
Wolf war so glücklich über meine Zaubereien, daß er mir Samstag nicht nur gleich *zwei* XXXX-Bitter ausgegeben hat, sondern am Sonntag noch eine Flasche Wein & einen Fernsehfilm über ihn und Doris gespendet hat.  Das fand ich nett.  Der Film war eigentlich für den ORF geplant, wurde dann aber doch nicht gesendet.  Wolf und Doris http://www.seenomaden.at/ leben hauptsächlich von Vorträgen, wobei sie etwa ein halbes Jahr Vorbereitung und Organisation machen, um dann im nächsten halben Jahr etwa 50 Multimediashows zu machen.  So eine Aktion bringt dann ein klein wenig Knete ein - und die beiden können dann wieder ein bißchen weiter segeln.
 
Dienstag, der 12. Februar 2008
 
Gestern habe ich ja ganz vergessen zu erzählen, daß die neu gekaufte Catana 43 von Kaspar fast genauso schlimme Delamination erlitten hat, wie damals meine Prout Snowgoose 35.  Doch Kaspar nimmt es eher gelassen hin, wie er sich auch damit abfand, daß ihm einmal beide (!!) Großschoten gerissen sind, wobei der Baum voll in die Wanten knallte.  Dabei hätte leicht das ganze Rigg über Bord gehen können & so etwas in der Gegend von Feuerland...  Ich glaube Leute wie Wolf und Kaspar sind einfach grundlegend anders drauf als ich, denn sie machen sich nur selten Sorgen.  Bei mir ist es eher umgekehrt.
 
Wir waren erst in der Bretterbudenbar "Shoreline" und zwar "am Tisch", woraufhin ich verduften mußte, denn das Abendessen war fertig.  Die anderen waren noch im schicken Restaurant "Tide Table", denn es war der letzte Abend von Wolf & Doris.  Heute nachmittag wollen sie los.  Vielleicht treffen wir uns ja noch mal im Indischen Ozean.  Kaspar und Steffi waren danach noch bei uns und so kamen wir wieder erst gegen Mitternacht ins Bett.
 
Für den blöden "Toggles" wollen die bei der Originalfirma SOROMAP in Frankreich doch tatsächlich fast 1.000 Dollar haben - ich kann es gar nicht so recht glauben, wie verrückt die sind.  So etwas ähnliches hatten wir in Fidschi schon einmal erlebt, was schließlich darauf hinauslief, daß Nigel von SPINALONGA das Teil aus Aluminium per Hand gebaut hat.  Dauerte zwar ein paar Stunden, war aber immer noch besser als 400 Dollar für eine bessere Türklinke zu bezahlen.  Mir scheint fast, daß diese Firmen inzwischen komplett den Bezug zur Realität verloren haben.  Ich schätze den Wert so eines Toggles auf jeden Fall auf unter 100 Dollar ein.
 
Valentinstag 2008
 
Heute vor 13 Jahren kamen wir in Hiva Oa an.  Und vor 20 Jahren bereitete ich den Kauf von DHARMA BUM I vor.  Kaum zu glauben, daß ich schon so lange solchen Unsinn mache - obwohl ich ja eigentlich immer irgendwelchen Blödsinn verzapft habe.  ;-)
 
Gestern war ich also kurz bei Kaspar und Steffi, die langsam auch zu dem Schluß gekommen waren, daß die Runde am Tisch vom "Shoreline" und vor allem auch das "Cruisers Dinner" am Dienstag abend nichts für unsereins ist.  So haben wir uns darauf geeinigt lieber bei uns an Bord zusammenzusitzen.  Die beiden haben bei uns mitgegessen & sind gegen 22:30 Uhr wieder abgezittert, während ich wieder bis Mitternacht zugange war.
 
Sie erzählten, daß eines der großen & schweren Beiboote der Fischereischiffe nachts mit laufender Maschine - aber ohne jemand darinnen - treibend mitten im Bojenfeld aufgefischt worden war.  Ein Glück, daß es nicht in eines der Boote gekracht ist, denn das hätte unweigerlich Bruch gegeben.  Kaspar berichtete von seinem Mastbruch bei St. Tropez, wo er anfänglich große Schwierigkeiten hatte.  Dann stellte sich allerdings heraus, daß dieselbe Geschichte bei anderen Catanas passierte & so wurde der Kohlefasermast dann von der Versicherung durch einen Alumast ersetzt.  Zu meinem Erstaunen erfuhr ich, daß der große (US$ 6.000) SPECTRA Watermaker (12 Ampere), der an die Solaranlage angeschlossen ist, pro Stunde immer noch 20 Liter allerbestes Trinkwasser macht, wobei sogar noch ein bißchen Strom übrig bleibt, um die Batterien zu laden.  Wenn ich das damals gewußt hätte, dann hätte ich mir bestimmt so ein Teil zugelegt, denn damals dachte ich immer, daß man diese großen Teile nur direkt mit dem Motor antreiben kann.
 
Ich bekam eine eMail von einem in den Philippinen arbeitenden Mann, der sich gerne eine 12 Meter Privilege kaufen will.  Er hatte mir schon früher geschrieben & ist wohl sehr an unserem Boot interessiert, zumal wir generell in die für ihn richtige Richtung segeln.  Er will drei Jahre in den Philippinnen herumsegeln & dabei das Boot gleichzeitig auf eine Weltumseglung vorbereiten.  Ich habe ihm zurück geschrieben, daß das Boot nicht mehr so schön aussieht wie auf den Bildern, daß wir aber trotzdem nicht wesentlich mit dem Preis runtergehen würden.  Mal sehen was er nun sagt.  Die Verkaufsanzeige hatte ich übrigens vor vielen Monaten zurückgezogen, aber anscheinend steht unser Boot trotzdem immer noch im Internet.
 
Ansonsten schicke ich täglich viele eMails an diverse Yachtausstatter, wobei wir allerdings nicht so recht vorankommen.  Eben mußte ich unsere Luke ausbauen, da sie nur nach dem Loch im Deck messen, nicht aber nach den Maßen der Luke selbst.  Auch mit dem "Toggle" (Doppelgabel?  Kann es auch bei der Robert Lindemann KG http://www.lindemann-kg.de/ in Deutschland nicht finden) und dem Segel sind wir noch nicht weiter gekommen.
 
Freitag, der 15. Februar 2008
 
Heute warte ich schon den ganzen Tag vergeblich auf den I-Kiribati-Segelmacher.  Ich hoffe nur, daß er nicht versucht hat mich anzurufen, denn wie man weiß klappt es mit dem Telefon hier nicht so richtig.  Um 17:00 Uhr sind wir bei Kaspar & Steffi eingeladen - erst auf einen Drink, wobei ich mir wieder seinen Computer vorknöpfen soll & hinterher zu Spaghetti Bolognaise.
 
Gestern schnackten wir kurz mit Carey & Karen von SEAL und anschließend mit dem Rechtsanwalt Jim.  Der meinte, wir wären ein schlechter Einfluß, da er nun auch langsam anfinge vom Segelvirus befallen zu werden.  Zu meinem großen Erstaunen gab mir der Boss vom "Shoreline" zwei Bier aus, wohl weil ich mich mit Carey & Toyota-Mechanikerboß Vincent unterhalten hatte.  Letzterer kommt von einer anderen Insel hier, wo fast alle Leute deutsche Vorfahren haben.  Sieht man ihm allerdings nicht an.
 
Inzwischen ist die ganze Familie wieder wohlauf, nur will unser Kleiner Zwerg natürlich nicht schlafen.  Gleich werde ich mal das Beiboot zu Wasser lassen, einkaufen fahren & dann muß ich langsam unter die Dusche.  Ich habe nicht so das Gefühl, daß der Segelmacher heute noch kommt & sein Boss Kenneth vom PII (Pih-Ei-Ei ;-) war gerade in einer Besprechung als ich anrief.
 
Sonnabend, der 16. Februar 2008
 
Der Segelmacher hat sich tatsächlich bis jetzt noch nicht gemeldet und sein Boss leider auch nicht.  Dafür kamen mir Kaspar und Steffi mit einer Kiste entgegen, in der sich der nagelneue Elektromotor von Lofrans in Italien befand.  Mit der Ami-Post USPS hat das Ganze nur 10 Tage gedauert.
 
Abends waren wir wie geplant auf CELUANN & heute morgen kam wie geplant das Kreuzfahrtschiff.  Unglücklicherweise regnet es schon den ganzen Tag in Strömen, so daß die armen Touristen Majuro wohl kaum von seiner besten Seite haben erleben können.  Wir selber haben allerdings auch nichts anderes getan als Aurora vorzulesen.  Ist einfach zu naß.  Dabei hätten wir im Prinzip noch Unmengen zu tun.
 
Morgen werde ich das Bier aus dem "Faß" in die Flaschen umfüllen, um dann mit der Zweitgärung zu beginnen.  Hoffentlich lohnt sich all dieser Aufwand überhaupt!
 
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Heute habe ich den Elektromotor der Ankerwinsch ausgewechselt, was ein ganz schöner Akt wurde.  Das Teil war dermaßen festgegammelt, daß ich schon befürchtete die ganze Winsch auseinanderzureißen.  Es klappte aber doch irgendwie & nun geht alles ganz wunderbar. :-)  Hinterher habe ich die Bilgen gelenzt, die beiden Diesel kontrolliert und bei all meinen 6-Volt Batterien destilliertes Wasser aufgefüllt.  Nun bin ich recht erschossen.
Dienstag, der 19. Februar 2008
 
Heute morgen, noch vor dem ersten Eiskaffee, habe ich bei Kenneth von PII angerufen, um dem Segelmacher nachzuspüren.  Der kam dann auch um 9:15 hier an & hat Segel und Stoff gleich wieder mitgenommen.  Wenn er seine Sache gut und preiswert macht, kriegt er noch einen Job von mir, denn der Bezug für das Beiboot muß ebenfalls dringend repariert werden.
 
Anschließend habe ich meine eMails abgeholt, wobei ich erfuhr daß West Marine nicht per USPS "Priority Mail" verschickt, sondern als billigste Alternative USPS "Air Parcel Post International" was mich US$74,52 kosten würde und vier bis sechs Wochen dauern kann. Warum die wohl nicht per USPS "Priority Mail" verschicken?  Andere Firmen machen das ja schließlich auch...  Egal, ich habe die blöde Lewmar Luke jetzt trotzdem dort bestellt.
 
Weiter ging es mit dem Programm, indem ich den heilen "Toggle" (Doppelgabel?) ausgebaut habe, um mir in einer Werkstatt einen (oder zwei) machen zu lassen.  Die Jungs hatten natürlich über Mittag zu, so daß ich erst um kurz nach 13:00 Uhr zu dem zuständigen Macker kam.  Er kommt aus den Philippinen & für zwei (2) solche "Toggles" habe ich US$ 113,95 (je zwei Maschinenstunden und Material) bezahlt.  Morgen werde ich den ersten abholen, einbauen, dann den kaputten ausbauen & gleich wieder hinbringen.  Ich möchte lieber nicht, daß mein Mast *nur* an dehnbaren Nylonseilen hängt.  Wenn hier so eine große Barkasse eines Fischereifahrzeugs durchprescht, dann wackelt es nämlich ganz gewaltig.
 
Jedenfalls sind die beiden wichtigsten Sachen endlich in Arbeit.  <Puh!>
 
Aurora spielt wieder ganz vergnügt mit dem Sesamstrassen-Computerspiel von Sabine Möhle und ihr Lieblingsbuch ist zur Zeit "Das Buch vom Haus" von Anna Curti.  Anscheinend gefallen ihr die bunten Bilder ganz schön, aber es kann auch sein, daß es ihr die vielen Hasen überall angetan haben.  Unser Freund Cam aus Tortola versucht gerade sein Boot zu verkaufen.  Das war's dann wohl mit der CARIBBEE.
Donnerstag, der 21. Februar 2008
 
Vorgestern abend ging es zur Abwechslung einmal früh ins Bett.  Mir brannten die Hände vom Blumen pflücken.  War wohl irgend etwas giftiges oder zumindest winzige Stacheln an den Dingern. 
 
Ich habe inzwischen auch die zweite Doppelgabel (?) ausgebaut, um sie zu PII zu bringen.  Natürlich hatten sie bei der ersten gerade erst angefangen und die Qualität der Arbeit sah bis jetzt auch nicht viel besser aus als die in Kiribati.  Als ich wieder zu Hause ankam, erzählte Liping mir, daß tatsächlich eines der Seile gerissen war, an denen zur Zeit der Mast hängt.  Da ich allerdings übervorsichtig bin und auf beiden Seiten je ein Fall und dazu noch je ein Seil vom Wantenspanner auf insgesamt vier Winschen genommen hatte, blieb der Mast trotzdem oben stehen.
 
Die eine Seite habe ich zusätzlich noch mit drei großen Edelstahlschäkeln gesichert.  Vielleicht hole ich mir heute noch drei weitere von den Dingern.  Ich habe nämlich so das Gefühl, daß die Jungs auch heute noch nicht fertig geworden sind.
 
Abends waren wir erst alle zusammen an Land, haben dann bei uns gegessen, woraufhin ich Louise und Gavin vom Nachbarboot zur CELUANN gebracht habe.  Von dort bin ich erst nach 1:00 Uhr wieder an den Laden gekommen.  Heute morgen war Liping Lebensmittel einkaufen, während ich mich die ganze Zeit mit Aurora beschäftigt habe.
 
Freitag, der 22. Februar 2008
 
Meine beiden Doppelgabeln waren tatsächlich fertig und sahen auch gar nicht schlecht aus  --  nur waren sie beide über einen Zentimeter zu lang.  Von Präzision kann also nicht die Rede sein.  Das ist schlecht, denn nun muß ich die Wantenspanner fast bis zum Anschlag durchspannen & habe so praktisch kein Spiel mehr, falls sich die Wanten noch weiter strecken oder dehnen sollten. "Kaschperli" meint allerdings, daß sich Wanten nur die ersten paar tausend Meilen strecken & danach ziemlich gleich bleiben.  Er meint, das würde schon klar gehen, so wie es jetzt ist.  Da er ja schon mal einen Mast verloren hat, hat er sich natürlich auch intensiver mit der Materie beschäftigt als andere Leute.
 
Zum selben Thema noch die Geschichte der PHRYNE, die auch hier an einer Boje liegt.  Nachdem sie ihr Groß in einer Sturmbö zerschreddert hatten (daher haben wir unseren Segelstoff) bemerkten sie nun, daß auch deren Rigg mehrere Schäden abbekommen hat. Nun werden sie also das komplette Rigg hier erneuern lassen, denn der Skipper hat dermaßen Schiß bekommen, daß er so nicht einmal bis auf die nächste Insel weiter fahren will.
 
Egal, erst einmal steht unser Marechal-Mast wieder so wie er soll.

Saturday, January 19, 2008

Von Kiribati zu den Marschall Inseln

                                                                                    Sonnabend, der 12. Januar 2008
                                                                                    Latitude: 02°42.38'N  Longitude: 172°31.85'E
 
Jetzt sind wir fast einen Tag unterwegs (83 Seemeilen in 23 Stunden) und bis jetzt haben wir sogar Glück mit dem Wetter.  Anfangs hatten wir so gut wie gar keinen Wind und eine überaus ruhige See, so daß wir alle drei nicht seekrank wurden.  Liping hatte aber eh ihre Pillen geschluckt & war müde wie ein Zombie.  So hat dann auch Aurora einen großen Teil der Nachtwache mit mir verbracht, wobei wir das Meeresleuchten beobachtet haben.  Sie ist immer sehr interessiert an solchen Sachen, sowie an dem woher und warum.  Sie wollte wissen, ob es unser Boot in Brand setzten könnte & als ich ihr sagte, daß es vom Plankton stammt, war sie eher besorgt daß dieses sterben könnte, wenn wir immer mit DHARMA BUM III darüberfahren. 
 
Als wir am Abaiang Atoll vorbeifuhren, war die Strömung so stark und der Wind so schwach, daß der Autopilot andauernd piepte, da er nicht auf der vom GPS vorgegebenen Route bleiben konnte.  So mußten wir etwa 60° vorhalten, um noch in die richtige Richtung zu segeln.  Kommt hier im Pazifik auch nicht so oft vor.  Später dann nahm der Wind ein wenig zu, so daß sich die Lage normalisierte.  Ich werfe immer ein besorgtes Auge auf den reparierten Toggle, denn so ganz traue ich der Sache nicht, zumal das Rigg in den Wellen mächtig ruckt, wenn das Groß am Schlagen ist.  Ich habe sogar schon überlegt es runter zu nehmen, aber das ist bei dem wenigen Wind ja auch Blödsinn. 
 
Heute morgen beim Frühstück wurde unsere Kleine dann ohne jegliche Warnung seekrank, so daß sie jetzt in Lipings Kabine liegt & schläft. 
 
So, nun muß ich mir erst einmal die Einfahrt nach Majuro genauer betrachten. 
 
                                                                                    Sonnabend, der 19. Januar 2008
                                                                                    Latitude: 07°06.48'N  Longitude: 171°22.17'E
 
Natürlich war das gute Wetter vorbei, nachdem ich das obige geschrieben hatte.  Was dann folgte war eine Sturmbö nach der anderen mit  bis zu 45 Knoten.  Also band ich zwei Reffs ins Groß & rollte die Genua etwa halb auf.  Trotzdem gab es Montag einen großen Knall, denn plötzlich brach die Genua-Schot, Liping sah große Teile des Segels davonfliegen und außerdem kriegte die Stbd-Schot auch noch die Hauptluke zu fassen, obwohl diese verriegelt war.  Bei diesen Kräften zerbrach sie sofort in zwei Teile & bis ich das Segel aufgerollte hatte, war dieses natürlich total zerfleddert.  Es sieht fast so aus, als ob wir uns ein neues Segel aus Hong Kong oder so kommen lassen müssen...  Das wird auch wieder etliche tausend Dollar kosten. 
 
Bei dem starken Wind traute ich mich nicht, das Segel runterzuholen, denn dazu muß es ja komplett ausgerollt werden.  Also habe ich alle Segel eingeholt & wir haben uns 24 Stunden lang treiben lassen.  Dadurch trieben wir etwa 20 Seemeilen in Richtung SSW, was ja auch nicht weiter schlimm war.  Zwischen zwei Böen haben wir dann das Segel runtergeholt und durch unsere Mylar-Fock ersetzt, die leider auch eine Nacht später zwei große Löcher bekam.  Zu allem Überfluß regnete es die ganze Zeit derartig, daß wir mit einigen Plastikeimern im Cockpit über 75 Liter allerbestes Regenwasser "fangen" konnten - natürlich erst nachdem all der Schmutz und das Salz abgewaschen waren.  Dumm nur, daß es überall reinleckte, obwohl drei Luken abgeklebt waren.  Wir mußten andauernd die Bilgen lenzen und natürlich ging mal wieder einer der Schwimmerschalter zu Bruch.  Strom hatten wir auch keinen mehr, denn durch die ganzen Wolken kam natürlich keine Sonne und der Windgenerator war oft vom Segel abgedeckt, während ich ihn bei den starken Böen ausschalten mußten, um eine erneute Beschädigung zu verhindern.  Also mußte mal wieder der Backbord-Diesel ran, der zuverlässig schnurrt seit wir DHARMA BUM III gekauft haben.  Immerhin schon 2 1/2 Jahre.  Mehr später....
 
                                                                                    Sonnabend, der 19. Januar 2008
 
In der Nacht sind wir zwischen Majuro und Arno durchgesegelt und morgens habe ich mich auf Kanal 68 erst einmal in Majuro angemeldet.  Ich schnackte kurz mit Cary von S/V SEAL (Kumpel von Johnny Damron aus Tortola) der mir dann gleich eine Muring organisiert hat.  Natürlich kam wieder eine Squall nach der anderen, so daß wir schließlich alle Segel runter genommen haben und noch einmal 4 1/2 Stunden durch den Paß und voll gegen den Wind zum Ankerfeld motort sind.  Zu unserem Erstaunen lagen dort mindestens 20 Yachten aus aller Herren Länder, vor allem natürlich Amis. 
 
Noch am Donnerstag waren wir beim Zoll und bei der Einwanderungsbehörde und zwar per Taxi, welches hier nur 75 Cent pro Person kostet - inklusive Klimaanlage!  Abends war ich dermaßen um, daß ich nur noch Unsinn gemacht habe.  Doch davon später mehr. 
 
Freitag haben wir die Ex von Johnny besucht.  Lizzie war höchst erfreut uns endlich kennenzulernen & wir haben gleich einen Dinnertermin für Dienstag vereinbart.  Sie schmeißt einen Riesenladen namens EZ Price hier (ihr Boss bekam plötzlich Krebs, so daß sie jetzt die effektive Chefin ist) und außerdem hat sie auch noch ein großes Projekt in Sizilien am Laufen, weswegen sie alle paar Monate hin und herpendelt.  Weiter ging es einen Anstandsbesuch bei der Taiwan-Botschaft zu machen, wo uns Sekretär Robert Chang gleich nach hinten eingeladen hat, damit wir umsonst mit Wallis Chou in Kiribati telefonieren konnten.  Anschließend hat er uns in ein Restaurant zum Essen und danach zu sich nach Hause eingeladen.  Wir verstanden uns sofort allerbestens & nun hat Aurora auch noch drei neue Spielkameraden. 
 
Der Botschafter war gerade verschollen, aber Robert meinte, daß jener uns bestimmt persönlich begrüßen wollte.  Da sie abends sowieso eine "Function" unweit unseres Bootes hätten, würde es vielleicht später noch klappen.  Also habe ich ihm eines unserer UHF Walkie Talkies geliehen & um 18:30 stand dann die *ganze* Botschaft an Land & lud uns ein mit ihnen zu feiern. 
 
Botschafter Bruce J.D. Linghu war überaus angetan von unseren Taten und hat uns allen möglichen Leuten vorgestellt, so zum Beispiel dem Außenminister, dem Englischen Konsul und vielen anderen mehr.  Ein anderer hoher Offizieller aus dem Außenministerium gesellte sich bald zu mir & wir kamen so richtig gut ins Schnacken.  Er hat in Hawaii studiert, dann teilweise aus Begeisterung für das Museum hier gearbeitet, um die alte Kultur der Marschall Inseln zu retten und ist dann später im Außenministerium gelandet.  Alfred hat deutsche Vorfahren, ist hochintelligent, ausgesprochen gebildet und war schon überall auf der Welt.  Deutschland gefiel ihm sehr und auch seine Arbeit  bei den Vereinten Nationen in New York hat er sehr genossen.  Bei all diesen Gesprächen nahm er kein Blatt vor den Mund, was aber nicht der Grund dafür ist, daß er gerade nicht arbeitet.  Hier ist es nämlich so Sitte, daß alle hohen Beamten ihren Dienst quittieren wenn eine neue Regierung gewählt wurde. 
 
Vor dem Essen gab es dann noch je eine Rede vom Botschafter, sowie eine vom Außenminister.  Groß war unsere Überraschung, als der Außenminister uns der versammelten Mannschaft von über 100 Gästen vorstellte und ihnen erzählte, daß er unsere Segelaktion sehr bewundernswert fände.  Noch größer war die Überraschung allerdings, als der Botschafter uns danach als "Special Guests" nach vorne aufs Podium bat und uns eine Flasche Rotwein sowie eine große Dose erlesenen Tees aus Taiwan als Willkommensgeschenk überreichte. 
 
Auch beim Essen unterhielt ich mich wieder mit Alfred und einer anderen Beamtin, die bei der Einwanderungsbehörde arbeitet.  Sie hat an Aurora Ulani einen Narren gefressen und bot uns an in Sachen Visumsverlängerung behilflich zu sein. 
 
Dann fingen die Marschallesen schön an zu singen und als sie fertig waren, baten sie um ein Lied von den Taiwanesen.  Diese waren darauf gar nicht vorbereitet (Bruce rief nur halb belustigt:  "They are all not listening to me!"  ;-), so daß ganz von sich aus Ulani in die Bresche sprang und allen Leuten ein Chinesisches Cockroach-Lied vorgesungen hat.  Ganz zum Schluß habe ich noch eine ganze Weile mit dem Britischen Konsul geschnackt, der seit 1982 hier ist und trotzdem immer noch einen merkbaren Liverpool-Akzent hat.  Die Taiwanesen haben uns dann noch mit etlichen Bieren beschenkt, die auf der Party nicht getrunken worden waren. 
 
Hinterher waren wir so aufgedreht, daß wir noch bis um 01:30 Uhr im Cockpit saßen und geschnackt haben. 
 
Heute morgen war ich natürlich schon müde, als es Zeit wurde die UKW-Funke anzuschalten um am Yachtie-Funknetz teilzunehmen.  Da fand ich dann heraus, daß dieses am Wochenende gar nicht stattfindet, aber trotzdem konnte ich mich für die Klasse anmelden, die ein Meteorologe am Dienstag morgen um 10:00 Uhr abhalten wird.  Kostet so um die US$ 3,50 oder so und ist genau auf uns Yachties zugeschnitten, da er nämlich selber einer ist. 
 
Im Laufe des Vormittages kam auf einmal jemand mit unserem Dinghy an.  Ich hatte es an einem Haken an Bbd abgehängt & in meiner Übermüdung doch tatsächlich vergessen es an Stbd wieder einzuklinken und bin einfach so an Bord gestiegen.  Zum Glück hatte die Mega-Luxusyacht (die zwei Boote hinter uns liegt) dieses Malheur bemerkt und grinsend meinte der Mann zu uns, daß wir wohl zu viel Spaß hätten.  Schwein gehabt! 
 
Heute dann los zum Payless Supermarket als auch zur Telekom, wo ich mal wieder ordentlich Geld auf den Kopf gehauen habe.  Dann noch zu ACE Hardware, wo ich vier NiCad-Solarbatterien und ein Batterieladegerät mit vier NiMH-Batterien erstanden habe.  Erst hier an Bord las ich dann, daß man damit auf gar keinen Fall NiCad-Batterien laden sollte, da diese dann explodieren können.  Also schon wieder Mist gebaut...  Langsam sollte ich mich wirklich mal um ein neues Gehirn kümmern - aber blöde finde ich es auch, daß so etwas nicht draußen auf der Packung steht. 
 
Auch heute abend haben wir Programm, denn der Vorsitzende der Taiwanesen-Vereinigung rief gerade eben an, um uns zum Dinner einzuladen. 
 
                                                                Sonntag, der 20. Januar 2008
 
Wir werden auf jeden Fall insgesamt zwei Monate hier bleiben, denn außer meinen Eltern haben auch viele alte Freunde, Klassen- & Studienkameraden deutsche Lese- & Lernmaterialien für Aurora Ulani geschickt.  Wir sind erstaunt, daß uns so viele Leute auf diese Art und Weise helfen und wirklich sehr dankbar dafür. 
 
Patrick Chen holte uns gestern abend um 19:00 Uhr am Robert Reimers Enterprises (RRE) Hotel ab, vor dem unser Boot an der Boje liegt.  Im Restaurant wartete schon Botschafter Bruce, der die ganze Sache eingefädelt hatte.  Wir aßen in einem privaten Zimmer in ganz kleiner Runde, die auch zwei Leute von den Marschall Inseln beinhaltete.  Letztere waren der Boss der Post und seine Frau.  Patrick Chen entpuppte sich nicht nur als Vorsitzender der Taiwanesen-Vereinigung, sondern ist hauptberuflich der Präsident der Bank der Marschall Inseln.  Sonst waren da noch Jack & Jenny Wu, die eine Firma für Import & Grosseinkauf haben.  Mitten im Dinner verschwand Jenny & kam einige Zeit später mit lauter Spielzeug für Ulani wieder. 
 
Nebenbei erfuhr ich, daß mein neuer Freund Alfred der UN Botschafter in New York ist.  Patrick hat uns für Montag um 10:30 zu sich ins Büro bestellt, damit wir ein Gemeinschaftskonto eröffnen können.  So können wir nicht nur einfacher Geld überweisen, sondern außerdem in den Läden hier mit der ATM-Karte bezahlen.  Immer mit Bargeld durch die Gegend zu rennen, ist ja nicht so unser Fall, wenn es auch hier ausgesprochen friedlich zugeht.  Dienstag morgen dann Unterricht in Meteorologie, Dienstag abend Dinner mit Lizzie & irgendwann können wir dann hoffentlich damit anfangen Sachen zu bestellen und unser Boot zu reparieren.  Heute werden wir erst einmal aufräumen, denn dazu hatten wir bisher noch keine Zeit. 
 
Die ehemalige Frau von Bruce hat übrigens früher an Lipings Oberschule Englisch unterrichtet & Liping kann sich auch noch dunkel an sie erinnern.  Bruce hat seiner Arbeit als Diplomat wegen viel aufgeben müssen und riet uns nicht auf Teufel-komm-raus an unserem Plan festzuhalten um die Welt zu segeln - wenn es denn wirklich so hart wäre.  Eine gute Familie und ein glückliches, wenn auch bescheideneres Leben wären das Wichtigste überhaupt.  Robert hatte uns schon gesagt, daß es außer seinem Job nicht mehr so furchtbar viel gibt im Leben seines Botschafters.  Natürlich hat Bruce recht mit seiner Analyse.  Es ist aber auch schwierig sich nach ein paar Jahren wieder in die Welt von früher zurückzuversetzen und seine eigenen Motivationen und Entscheidungen zu verstehen.  Und dann kann es gut sein, daß einem die Zuversicht und das Selbstvertrauen schwinden & man es sehr bereut, daß man damals aufgegeben hat.  Liping hat das ja auf DHARMA BUM II im Fernstudium bei der University of London studiert.  Alles wird kompliziert durch sogenannte "konstruierte Erinnerungen".  Will heißen unser Gehirn erfindet Erinnerungen, die so gar nicht waren.  Dieses wiederum erklärt, warum viele Leute andauernd von der Vergangenheit schwärmen, die so gar nicht war, wie sie sich erinnern.  Und die wahren schlechten Erinnerungen werden ja sowieso von jedermann gerne verdrängt. 
 
Und indirekt bestätigen uns die Taiwanesen ja eher in unserem Vorhaben, denn wie sonst trifft man so viele interessante, nette & hilfsbereite Menschen?  Auf jeden Fall finden wir diese Begegnungen immer super!
 
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Holger Jacobsen
S/V DHARMA BUM III
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Friday, January 18, 2008

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Holger Jacobsen
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