Wednesday, June 27, 2007

HolgTahitiPhone: +689232394 mit VoipStunt oder Skype-Out

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Fotos

http://picasaweb.google.com/krautholg/

Hier kann ich zur Zeit umsonst Fotos Hochladen. Damit werde ich mich
also heute mal beschäftigen, denn wir haben gerade genug Strom für
solche Scherze... :-)

Saturday, June 09, 2007

Von Panama nach Tahiti -- S/V DHARMA BUM III -- Tahiti, 9. Juni 2007

Eigentlich hatten wir ja gar nicht zu den Galapagos Inseln wollen, sondern zur Osterinsel und anschließend nach Pitcairn.  Doch als nach nur einem Tag der Linear Drive unseres Autopiloten das Zeitliche segnete und an eine Umkehr wegen der sechs Beaufort mit den dazugehörigen Wellen nicht zu denken war, hielten wir kurzentschlossen auf Isla San Cristobal zu.  Unser alter 12 Meter Privilege Katamaran DHARMA BUM III hat eben nicht nur Vorteile.  Gegen den Wind kommt man nur schwerlich voran. 
 
Kaum hatten wir die Entscheidung getroffen, als auch schon der Wind nachließ und Flaute herrschte.  Ab und zu kam mal ein leichter Hauch vorbei, so daß das Steuern per Hand zwar nicht sonderlich mühsam war, aber eben auch nicht viel Fortschritt brachte.  Statt die beiden 40 PS Volvo Diesel anzuwerfen, zogen wir nachts die Segel runter und hatten Zeit für die Familie.  Meine Frau Liping aus Taiwan kochte hervorragende chinesische Gerichte, unser kleines Töchterlein Aurora Ulani tobte überall herum und bis auf das Steuern per Hand hatten wir praktisch zwei Wochen "Doldrums-Urlaub" bis zur Ankunft. 
 
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Anfangs fanden wir es ganz niedlich, wenn die Seelöwen auf unser Heck krabbelten und Aurora Ulani blieb die ganzen 20 Tage begeistert.  Liping & ich änderten allerdings bald unsere Meinung, besonders wenn einer von uns mit einem zerbrechlich aussehenden Besenstiel auf einen wahrhaft riesigen Seelöwenbullen zuging, der mit höchst ärgerlichem Bellen antwortete, sich aber keineswegs von seinem Platz am Cockpittisch wegbewegen wollte.  Es brauchte nur wenig Vorstellungskraft, um sich vorzustellen, was das Biest mit seinen monströsen Hauern ausrichten könnte.  Der Gestank und die Reste von Fischen, welche die Viecher überall herumstreuten trugen ebenfalls dazu bei, sie bei uns zu eher unbeliebten Besuchern zu machen.  Dabei hatten wir manchmal bis zu sieben Stück an Bord. 
 
Da waren die urigen Seeleguane uns schon lieber, zumal sie sowieso nicht an Bord kamen.  Wenn die blaufüßigen Tölpel ihre Sturzkampfbomberakrobatik direkt neben der Bordwand ausführten, so erschreckten sie einen zwar manchmal, waren ansonsten aber immer willkommen.  Auch wenn die Solaranlage öfter reinigen mußten als gewohnt. 
 
Ansonsten hatten wir nicht so viel Zeit für die Inseln, wie wir sie gerne gehabt hätten.  Ein Offizieller der Hafenmeisterei wollte mir nicht so recht glauben, daß wir wirklich Probleme hatten, so daß ich schließlich den Linear Drive ausbaute, um ihn seinem Vorgesetzten und schließlich dem Boss selbst vorzuführen.  Zwanzig Tage Maximum wurden mir beschieden.  Mehr ginge auf gar keinen Fall.  Nur war der neue Linear Drive leider beim Zoll in Guyaquil hängen geblieben, die erst einmal US$ 400 von mir sehen wollten, Ship-in-Transit oder nicht.  Trotz FedEx wurde alles sehr knapp.  Tatsächlich bekam ich ihn am letzten Tag und hatte inzwischen auch den alten reparieren lassen. 
 
Nach nur 19 Stunden gab dieser allerdings erneut seinen Geist auf, so daß wir ausgesprochen froh waren, tief in die Tasche gegriffen zu haben.  Trotzdem entschieden wir uns für die Marquesas, die wir 1995 mit unserem Horstman Tri-Star 38 Trimaran DHARMA BUM II besucht hatten.  Wir hatten zwar einen gewissen Bammel, daß wir eine herbe Enttäuschung erleben würden, aber andererseits hatten wir gute Freunde dort, die wir gerne noch einmal besuchen wollten. 
 
Die Segelei glich wieder der in den Doldrums, denn oft gab es überhaupt keinen Wind und wenn welcher wehte, dann füllte er kaum unsere Segel.  Das störte uns allerdings nicht die Bohne, denn wir segeln keineswegs um schnell irgendwo anzukommen, sondern unter anderem weil wir besonders längere Passagen lieben.  Nur dann kommen wir in den richtigen Rhythmus und können das Bordleben so richtig genießen.  Folglich kommen unsere beiden Dieselmotoren nur dann zum Einsatz, wenn es in einen Hafen zu segeln gilt.  Strom kommt durch die vier 80 Watt Solarpanele und den KISS Windgenerator aus Trinidad. 
 
Wir hatten also viel Zeit, um mit unserer Tochter zu spielen, Schildkröten, Delphine, Fliegende Fische, Wale und anderes Getier zu beobachten.  Und obwohl unser Zwerg noch keine 3 1/2 Jahre alt ist, will sie immer wieder etwas lernen, ob es nun chinesische Schriftzeichen, deutsche Buchstaben oder englische Vokabeln sind.  Sie versteht zwar alle drei Sprachen, aber die Antworten kommen fast ausschließlich auf Mandarin-Chinesisch.  Jetzt wissen wir also warum es Muttersprache heißt und nicht anders. 
 
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Die kleine Bucht bei Atuona, Hiva Oa, hatte sich drastisch verändert.  Durch einen Wellenbrecher war sie nur etwa halb so groß wie vor 12 Jahren.  Ein schwimmender Bagger war dabei sie zu vertiefen, wobei er selbstverständlich einen Höllenlärm machte.  Am Valentinstag 1995 waren wir allein in dieser Bucht, während inzwischen so viele Boote vor Anker lagen, daß fast gar kein Platz mehr da war. Außerdem stand ein gefährlicher Schwell in die Bucht, so daß in der Nacht vor unserer Ankunft am Karfreitag etliche Boote in ernste Schwierigkeiten geraten waren.  Stehende Brecher hatten Yachten auf Grund kommen lassen, eine hatte ernsthafte Schäden am Ruder zu beklagen, einige hatten Ankergeschirr oder Beiboote verloren. 
 
Natürlich hatte die Gendarmerie geschlossen, aber trotzdem konnte ich einen der Hüter des Gesetzes ausfindig machen.  Ich erklärte ihm, daß ich mein Boot nicht riskieren wollte, bis das Büro nach Ostern wieder geöffnet wurde und bat um Genehmigung, das lange Wochenende anderswo verbringen zu dürfen.  Ich durfte.  Überhaupt waren alle Leute auf Hiva Oa noch genau so freundlich und hilfsbereit, wie wir in Erinnerung hatten. 
 
Weiter ging es in die wunderschöne Hana Moe Noa Bucht, wo wir ein paar Wochen mit Segel nähen verbrachten.  Eine schönere Kulisse für diese Arbeit kann man sich kaum vorstellen, aber leider war auch diese Bucht bald gerammelt voll.  Klar, daß die schönsten Ecken auch die meisten Leute anziehen.  Und wenn dann noch in einem der Cruising Guides (ohne die heutzutage keiner mehr auszukommen scheint) zu lesen steht, daß es sich um den schönsten Ankerplatz in Französisch Polynesien handelt, dann ist es fast garantiert, daß so eine Bucht zu einem Treff für Fahrtensegler wird. 
 
Und diese haben sich in den letzten beiden Jahrzehnten sehr verändert.  Zum einen die Altersgruppe.  Seit wir im Pazifik sind, haben wir so gut wie keine jüngeren Leute mehr getroffen.  Wo sind sie nur?  Können sie sich die Segelei nicht mehr leisten, haben sie das Interesse verloren oder segeln sie inzwischen woanders?  Fast alle anderen Yachties haben ein volles Berufsleben an Land hinter sich und befinden sich jetzt im Ruhestand.  Und während untereinander Einladungen wie Schneebälle durch die Gegend fliegen, so ist der Kontakt zu den Polynesiern inzwischen minimal.  Als wir sagten, daß wir vor dem Dorf Vaitahu ankern wollten, fragte uns eine ältere Kanadierin wozu das denn gut sein solle. 
 
Anfangs sah es tatsächlich nach einer schlechten Idee aus, denn die Fallwinde pfiffen derart von den hohen Bergen herab, so daß wir trotz des schweren Delta Ankers und 60 Meter Kette zwei Mal ins Treiben gerieten.  Eine unangenehme Situation, die nicht zur erholenden Nachtruhe beiträgt. 
 
Als wir allerdings unsere Freunde Koki, Titi und Teaiki wieder trafen, da wußten wir, daß wir genau an der richtigen Adresse waren.  Die Freude über unsere tatsächliche Rückkehr war groß und echt.  Sofort wurden wir in die Familie miteinbezogen, die in unserer Abwesenheit um fünf Kinder gewachsen war.  Wir halfen die Bananen in der Sonne auf polynesische Art zu trocknen und für über ein Jahr lang haltbar zu machen macht.  Wir waren mit oben im Gebirge, um Pistazien zu ernten.  Wir machten alle zusammen ein gigantisches Picknick am Strand, bei denen unglaubliche Mengen an Köstlichkeiten vertilgt wurden.  Wir lernten, wie man die Noni-Blätter trocknet und zu einer Art Tee verarbeitet, welcher ins Ausland exportiert wird.  Wir sangen polynesische Lieder. 
 
Immer gab es etwas zu tun, aber alles geschah mit einer inneren Ruhe und alles wurde mit Freunden, Verwandten, Bekannten und vollkommen Fremden geteilt.  Das Leben war bestimmt von viel Arbeit, aber auch von viel Zeit mit der Familie und Freunden.  Es gab zwar inzwischen mehr Strassen und Autos auf Tahuata, auch Kühlschränke und Telefon, aber ansonsten war das Leben immer noch ausgesprochen einfach.  Vielleicht zu einfach, als daß man sich als europäischer Stadtmensch leicht daran gewöhnen könnte.  Trotzdem, wir konnten uns gut vorstellen, dieses einfache und manchmal auch harte Leben zu teilen. 
 
Ein wichtiger Grund dafür ist Aurora Ulani.  In kürzester Zeit fing sie an französische Wörter zu benutzen und spielte und tobte mit den anderen Kindern.  Es gab kleine Kätzchen und Zicklein, die sie faszinierten und auch sonst hatten wir sie selten so aufgeregt und glücklich gesehen wie hier.  Um so mehr erstaunte es uns, als Koki beiläufig erwähnte, daß er in den letzten 12 Jahren so gut wie keinen Kontakt zu anderen Fahrtenseglern gehabt hatte.  Ab und an kämen zwar ein paar vorbei, vor allem um sich tätowieren zu lassen - steht auch in einem der Cruising Guides - aber ansonsten passierte nicht viel. 
 
Leider ging die schöne Zeit viel zu schnell vorbei, denn da Liping einen taiwanesischen Paß hat, bleiben ihr genau 90 Tage in dieser wundervollen Ecke.  Nicht einmal das Zollboot DF48 kam vorbei, um unseren Wein unter Verschluß zu legen, wie beim letzten Besuch. 
 
Koki, Titi & Teaiki überhäuften uns mit polynesischer Musik, zwei Stauden Bananen, etlichen saftigen Pampelmusen oder Pomelos, Apfelsinen, Limonen, Gurken, getrockneten Bananen, Mangos, Guaven, Perlenketten, einem riesigen Stück Emmentaler und so weiter und so fort.  Wenn wir beteuerten, daß wir unmöglich so viel würden essen können - unsere Freunde waren immer sehr besorgt um unsere offensichtlich krankhaft mangelnde Nahrungsaufnahme - meinte Koki:  "Hier verfault das Zeug nur auf dem Boden.  Trockne was Du kannst und verschenke den Rest an die armen Leute auf den Tuamotus.  Die haben nur Fisch, Kokosnüsse und Fafaru (fermentierten Fisch) zu essen."  Wir waren tief gerührt und zermarterten uns den Kopf wie wir uns revanchieren konnten.  Das einzig Vernünftige was uns einfiel war ein Stapel Fotos, denn wir wußten, daß besonders Titi diese liebte. 
 
Schon ging es weiter, auch dieses Mal wieder mit äußerst schwachen Winden.  Seit Panama hatten wir keine einzige Gewitterbö erlebt und nur an drei Tagen hatten wir mal Wind mit acht Beaufort.  Wir futterten Bananen wie die Urwaldaffen und trockneten den Rest an Deck, wobei wir entdecken, daß sich unser Boots-Gecko ebenfalls an ihnen gütlich tat.  Er war in Hiva Oa als blinder Passagier zugestiegen und auch in Tahiti sprang er immer noch über das Deck. 
 
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Als Takaroa an der Kimm auftauchte, war es schon zu spät um durch den Paß zu gehen.  Am nächsten Tag gingen wir an die Pier & ich trampte gleich zur Perlenfarm unseres Freundes Pita Temanaha, der gar nicht wieder aufhören konnte zu grinsen als wir uns in den Armen lagen.  Für die nächsten paar Minuten war außer "Sacre Holger!" gar nichts mehr aus ihm herauszukriegen.  Am nächsten Tag ging es durch den langen und engen Paß, was immer eine interessante Zitterpartie ist.  Es ging aber alles glatt und trotz einer Vielzahl von Bojen sowohl an der Oberfläche als auch darunter, die zum Teil mit Seilen miteinander verbunden sind, gab es auch in der Lagune keinen Streß.  Polaroidbrille auf, Korallenköpfe werden sichtbar und außerdem waren wir ja schon mal da gewesen.  Nur war inzwischen die Lagune so voll mit Perlenfarmen, daß sie eher einem Labyrinth ähnelte. 
 
Pita wanderte mit unserem Anker auf dem Grund herum und pflanzte ihn schließlich in sein "Hausriff", an dem wir ungemütlich nahe dran lagen.  Vier Enden wurden noch an Korallenriffen vertäut und schon hatten wir unseren eigenen Bootssteg samt Haus & Garten nur wenige Meter von uns entfernt.  Die nächste Zeit verbrachten wir mit Pita und seiner neuen Freundin Lucie und erfahren auch hier wieder Gastfreundschaft allererster Güte. 
 
Doch leider stand es ansonsten nicht zum Besten mit Takaroa.  Alkohol- und Drogenmißbrauch sind ein ernstes Problem, ebenso wie Diebstahl und Vandalismus.  Die jungen Frauen verlassen die Inseln, während die Männer zurückbleiben, um in der Kopra oder Perlmuttindustrie zu arbeiten.  Auch Pitas Ex-Frau lebt jetzt in Neukaledonien.  Wichtige Arbeiten werden nicht gemacht, und der früher stabilisierende Einfluß der Mormonenkirche ist stark zurückgegangen.  Dagegen hat die katholische Kirche auf Tahuata mit ihrem neuen Priester aus Vanuatu eben diesen stabilisierenden Einfluß sogar noch vermehren können. 
 
Drei Mal pro Woche kommt der Flieger aus Tahiti und wenn das Versorgungsschiff kommt, wird alles Hinano Bier Ruck Zuck ausgetrunken, so daß die Insel anschließend vollkommen trocken ist bis das nächste Schiff kommt.   Hoffnungslosigkeit und Arbeitslosigkeit sind nichts ungewöhnliches.  Früher kamen die Aufkäufer für Tahiti Black Pearls sehr oft nach Takaroa, was immerhin der größte Produzent dieser Perlen ist.  Inzwischen arbeiten statt dessen etwa 130 Chinesen auf der Insel, die per Motorboot jeden morgen vom Dorf zur Arbeit fahren.  Die Perlen werden von den großen Firmen direkt exportiert.  Für die Polynesier ist der Perlenboom somit so ziemlich gelaufen.  Übrig geblieben sind die Satellitenschüsseln, die Klimaanlagen und die vielen Autos und großen Außenbordmotoren.  Irgend etwas anderes, etwas wichtiges, ging verloren. 
 
Während früher unsere alten Freunde Lucky Luke, Marere & Co an der Pier zusammenkamen, um ihre Instrumente zu spielen und Lieder aus der ganzen Südsee zu singen, so hören heute die jungen Leute importierte Musik von ihren Laser-Disks und MP3-Spielern.  Es ist fast genau die gleiche Geschichte wie mit meinen beiden Besuchen in Tonga 1987 und 1995.  Der Unterschied ist so enorm, daß man Tatsächlich von einer anderen Welt sprechen muß.  Ob es Takaroa gelingt, dieses Nachspiel des Perlenbooms relativ schnell zu verdauen, wird sich zeigen. 
 
Als wir auslaufen wollten, bat Pita uns noch ein paar Tage zu warten.  Nach ein paar Tagen wußten wir auch warum.  Er und Lucie überreichten uns nämlich ein Kunstwerk, welches sie aus vielen schwarzen Perlen, Muscheln, von der Sonne gebleichten und lackierten Wurzeln gebaut hatten.  Wir nennen es den Perlenmuschelblütenbaum und er hat einen Ehrenplatz auf unserem Salontisch gefunden.  Damit nicht genug, schenkten sie uns noch Unmengen von schwarzen Perlen, die wir zu Schmuck für unsere beiden Schönheiten verarbeiten sollen.  Damit wir sie nicht vergessen.  Wir hatten einen Klos im Hals, als wir endlich den Anker hochzogen. 
 
Eines ist sonnenklar.  So schön auch die Landschaften, die Tiere und das Segeln selbst sind - der Höhepunkt auf dieser Reise war die Zeit mit unseren polynesischen Freunden. 
 
Trotz Gezeitentafel und Inaugenscheinnahme des Passes stand uns ein starker Strom entgegen, so daß wir schon überlegten es später zu versuchen.  Auf DHARMA BUM II mit dem kleinen 13 PS Diesel wäre die Sache undenkbar gewesen.  Doch so waren wir schon kurze Zeit später wieder allein mit dem Meer und auch dieses Mal gab es so gut wie gar keinen Wind, was bis Tahiti so bleiben sollte.  Wahrhaftig ein stiller Ozean, so ganz anders als die Karibik über 100 Seemeilen vor Kolumbien, wo es drei Tage lang mit über 50 Knoten wehte und die Böen 60 Knoten erreichten.  Dort surften wir mit dem Wind genau von hinten mit einem winzigen Fetzen Vorsegel mit über 15 Knoten dahin und fragten uns wie wir das Risiko vermindern könnten.  Nur fiel uns zu dem Thema nicht mehr viel ein, da wir sofort quer zur schweren See standen, wenn wir das Segel weiter verringerten.  Seit der Zeit haben wir noch mehr Vertrauen in unsere überladene Ente.  Besonders als wir erfuhren, daß in Panama durch denselben Sturm drei große Frachtschiffe kollidiert, gestrandet und ernstlich beschädigt wurden.  Bei fast allen Yachten hielt der Anker nicht und eine Yacht war gesunken.  Bei unserer Ankunft war nur noch die Mastspitze zu sehen. 
 
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In Papeete dachte ich erst, daß ich mich verfahren hätte, denn außer an die großen Öl- und Gastanks konnte ich mich an so gut wie gar nichts erinnern.  Am alten Ankerplatz war der Strand verschwunden und alle Boote lagen an einer Pier mit Wasser und Stromanschluß.  Und da Pfingsten war, hatte natürlich alles geschlossen, worüber hinaus die Leute auch noch im Streik waren.  Aus eigener Erfahrung wußten wir daß der Haltegrund schlecht war und wir befürchteten früher oder später mit dem Heck in die Betonpier zu donnern.  Aber einstweilen hielt der Anker prima und wir machten uns auf die Suche nach Baguette, Brie, Pate de Campagne und ähnlichen Delikatessen.  Das ansonsten leckere Hinano Bier ließen wir allerdings links liegen, da uns der Preis von 2 1/2 Talern pro Dose nicht so recht gefallen wollte. 
 
Am nächsten Tag kam Wind auf, der Anker hielt nicht und wir krachten in die Pier.  Ich hätte die Autoreifen lieber vorher ausbringen sollen, aber der Plastikschutz tat es dann auch.  Wir brachten einen Bruce aus, holten ihn mit der Winsch dicht und hatten erst einmal Ruhe.  Bis ich versuchte meine Maschinen anzuschmeißen und nicht einmal mehr ein "Klick" zu hören bekam.  Ein Kurzschluß (wieder einmal Pfuscherei auf Karibik-Art) hatte zu einer Tiefentladung der beiden großen Starterbatterien geführt.  Ich befürchtete schon, daß ich wieder bei meinem Freund Christian Lausan von Yune Tung zum Kunden werden wurde.  Er hat ein Faible für Segler (hat auch schon mal den großen Rennmulti GERONIMO von Philip de Kersauson gesteuert) und ist ein seit vielen Generationen hier lebender Hakka Chinese. 
 
Er meinte es sähe schlecht aus, hat aber die beiden Dinger erst einmal an seine Ladebank gehängt und andauernd Säuretests durchgeführt.  Derweil humpelte ich im Laufschritt durch Papeete, um wenigstens nicht ganz umsonst die teuren Marinagebühren bezahlen zu müssen.  Der DRCL schloß eine Verlängerung des Visums für taiwanesische Pässe kategorisch aus und auch sonst verlief nicht viel nach Wunsch. 
 
Dann war der Streik beendet und die gebühren wurden auf US$ 70 pro Nacht verdoppelt.  Rückwirkend seit dem 1. Juni.  Ich zog die Konsequenzen und klarierte sofort aus, rannte zu Christian und ein paar Stunden später liefen beiden Motoren. Ein Freund warf die Leinen los, wir zogen die Ankerleine ein und - nichts ging mehr.  Die Ankerkette war gespannt wie einen Violinenseite und ich versuchte eine Stunde lang alles mögliche, um den Anker frei zu bekommen.  Nada. 
 
Die Zeit rannte, die Sonne sank immer tiefer als sich auf einmal doch etwas bewegte.  An unserem Anker hing ein anderer, der mindestens drei Mal so groß war.  In dem Moment bemerkte ich, daß eine große Swan am anderen Ende hing, brüllte eine Entschuldigung rüber, bekam den Anker allerdings aufgrund seines Gewichtes immer noch nicht frei.  Nach zwei weiteren Versuchen waren wir endlich frei und ich mit meinen Kräften restlos am Ende.  Die Sonne rannte. 
 
Per Funk fragte ich beim Flugplatz um Erlaubnis an der Einflugschneise vorbeizusegeln.  Wir liefen mit über sieben Knoten Richtung Marina Taina, vor der wir ankern wollten.  Liping stand mit der Polaroidbrille bewaffnet im Bug, denn ich wollte mich nicht zu sehr auf die Instrumente verlassen, vor allem hier in der Südsee.  Die Markierungen waren verwirrend, da auf den ersten Blick nicht klar war, welches die Marker für den Hauptpaß und welches die für unser relativ schmales Fahrwasser waren.  Außerdem standen überall noch gelbe Markierungen herum, welche die Verwirrung noch vermehrten.  Zu guter Letzt stand genau vor uns ein großes Schild, welches allerdings von unserer Seite aus nicht lesbar war.  Auf welcher Seite sollten wir es umfahren? 
 
Ich verringerte unsere Geschwindigkeit, blickte auf das Echolot, welches immer noch über 20 Meter Wassertiefe anzeigte.  Die Sonne stand uns ins Gesicht, Liping rief "Stopp!!!" und sofort daraufhin krachte es auch schon.  Es gab ein unglaubliches Krachen, Knirschen, Rumpeln und Ächzen während mein Gehirn sekundenlang gelähmt war.  Ein Zittern lief durch das ganze Boot.  Das konnte doch nicht wahr sein!  Das konnte mir doch niemals passieren!  Wir waren genau auf das Korallenriff gebrettert, mitten in einer der bekanntesten Gegenden überhaupt. 
 
Ich warf den Rückwärtsgang ein, gab Gas, mehr und immer mehr.  Erneutes Krachen und Rumpeln kam von unten.  Erst kam ein Rumpf frei und wir lagen quer zum Riff, dann der andere und wir entfernten uns mit pochenden Herzen.  Ich konnte immer noch nicht vernünftig denken, aber ich wußte, daß wir schleunigst aus der Einflugschneise verschwinden mußten. 
 
Als wir vor der Marina Taina ankamen, ging die Sonne schon unter.  Wir fanden ein freies Plätzchen, ankerten, nur um feststellen zu müssen, daß es kein guter Ankerplatz war.  Also Anker wieder hoch, rann an die Innenkante vom Außenriff und Anker wieder runter.  Als ich fertig war, sah ich lauter braunes Öl auf dem Wasser treiben.  Mir wurde übel. 
 
Würden wir aus dem Wasser müssen und vielleicht lange Zeit dort verbringen?  Hier in Mega-Ober-Teuer-Tahiti?  Würde Liping gar ausfliegen müssen, da ihr Visum nicht verlängert werden konnte?  Ein Schreckensszenario folgte dem anderen. 
 
Man stelle sich meine Verwunderung vor, als ich bei einem Tauchgang feststellte, daß außer einigen bösen Kratzern und einem kleinen  Loch unten im Kiel fast überhaupt keine Schäden zu sehen waren.  Auch das Öl im Wasser hatte anscheinend gar nichts mit unserem Boot zu tun, sondern mußte schon vorher dagewesen sein.  Wir sind noch einmal glimpflich davongekommen und beim nächsten Mal werde ich lieber meine 70 Dollar bezahlen, statt auf Teufel-komm-raus auf einen anderen Ankerplatz zu segeln.  Ich werde meinen Augen nicht mehr trauen, wenn die Sonne so niedrig am Himmel steht.  Und ich werde mich viel mehr auf meine Instrumente verlassen, wenn ich in einer derart bekannten Gegend unterwegs bin. 
 
Wie es in nächster Zeit weiter geht, wissen wir noch nicht.  Ich brauche einen neuen Reisepaß, was im Ausland mindestens acht Wochen dauert.  Außerdem gibt es nicht überall deutsche Botschaften oder Konsulate.  Liping braucht ein langfristiges Visum für das nächste Land, welches nicht unbedingt gewährt wird.  Unser Boot braucht eine gute aber dennoch preiswerte Werft in der die Blessuren der letzten zwei Jahre beseitigt werden können. 
 
Falls wir diese Sachen auf dem Cook Inseln erledigen, werden wir kaum mehr Zeit haben andere Inseln zu besuchen, bevor die Saison der Zyklone beginnt.  Und wenn wir das nicht wollen, dann sind wir gezwungen dorthin zu segeln, wo wir eigentlich gar nicht hin wollten.  Und selbst danach, wenn all diese Geschichten erledigt sind, dann müssen wir uns langsam überlegen, ob wir nach Mikronesien und vielleicht Asien wollen, ob wir noch eine Runde im Pazifik drehen oder aber durch die Torresstraße gehen und Kurs auf Südafrika nehmen.  Es gibt so viele Möglichkeiten.  Und es ist ein interessantes Leben! 
 
Copyright ©2007 Holger Jacobsen
 
Hier sind ein paar Fotos von unserer Reise: